V MIT WELCHEM REICHTUM
39
mannigfachem Schmucke paart, so ist doch drinnen nichts von Wert,größte Häßlichkeit, Gestank sogar als ständiger Bewohner und vielessonst, was nur Tote aushalten können. Äsop , der älteste Geschichts-schreiber aus Phrygien , in dessen Fabeln sich einziger Ernst zu gleicherLiebenswürdigkeit gesellt, verheißt uns gleichsam aufs artigste seinenRat in dieser Sache. Bei ihm bemerkt ein Fuchs, der in eines MusikersWerkstatt kommt, eine Leier, deren unterster Teil ein durch Geist,Kunst und Fleiß mit Edelsteinen und Gold wunderbar gearbeitetesMenschenhaupt war. Als er es bedächtig bewundert hatte, sagte er:Glückliches Haupt, doch leer und ohne Gehirn 83 ! Das können wir auchvon den reichsten Frauen sagen, wenn sie sich nicht eignen, ihrer Frauen-pflicht zu genügen. Jener vermessene Paris besaß die überreiche Helena,der klügere Odysseus nahm die züchtige Penelope, damals ohnegleichendie Keuscheste und Sittsamste. Seine Heirat bewundert das Altertum, esverehrt sie und erhebt sie mit Lob zum Himmel, dagegen hat es die Ehedes andern mit schwerem Schimpf vor dem Gedächtnis der Nachweltgebrandmarkt, weil sie ja Asiens Feuersbrunst, Wüstnis, Verderb undVernichtung war. Dies ist freilich der Ausgang, da er zu Helfern seinerLust auch noch Schätze sucht 84 . Klug verfügte deshalb Lykurg, daß dieFrauen ohne Mitgift verheiratet werden sollten, damit weder aus Armutdie Spartanerinnen unverheiratet blieben, noch infolge Reichtums sichvermählten. So nämlich, sah er voraus, würden die Spartiaten Tugend,nicht Reichtum bei der Gattin suchen und die Frauen weit mehr bestrebtsein, sich mit Rechtschaffenheit zu rüsten 85 . Daß dies leichter erreichtwerde, bestimmten jene Halbgötter der Vorzeit, indem sie sich gleichsamauf eine Warte stellten, um möglichst weit für die Zukunft Vorschau zuhalten, es sollten nicht (wie in unserer Zeit) die Frauen ihren Gatten eineMitgift zubringen, sondern die Männer ihrer Frau eine Antipherne, damitder Gatte nicht nach ihren Gütern trachtet 86 , sondern sorglicher abwäge,wem er sich, die Kinder und all das Seine mitteile. Hätten nicht Ange-wohnheiten unsern Sinn verderbt und hätten nicht die Genüsse uns all-mählich verweichlicht, so dächten wir, diese weise Einrichtung sei wiederzurückzurufen und nicht fürderhin ins Altertum zu verweisen. Wenn wirnämlich Äcker und die Arbeit von Gehilfen um Lohn dingen, um denen,die uns von Vorteil sind, wiederum Gewinn zuzuwenden, warum sollte