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VON DER WAHL DER EHEFRAU
uns das gleiche für die Gattin nicht gelten, von der wir so nötige, sosüße Frucht erwarten ?
Aber wenn wir nicht vorher von den Lüsten, den schmeichlerischstenGebieterinnen, frei sind, wenn nicht die kostbaren Teppiche, die Ge-wänder für Schwelger und das übrige fürwahr nicht bedurfte Bedürfnis,wenn nicht jene Gier, die an keiner Grenze einhält, abgelegt wird, sowerden wir niemals besonnen und frei wegen der Gattin zu Rate gehen.Da das ganz sicher feststeht, so will ich an dieser Stelle nicht allzu langsein. Es sammle sich also unsere Jugend und berate sich über die Heirateher zu vorsichtig als zu begehrlich, oder vielmehr sie folge deinem Bei-spiel, damit sie nicht in Hoffnung auf Gewinst oder des Erwerbs willensich zum Sklaven der Mitgift mache und einen Brand im Haus erregt, densie nicht mehr sofort zu löschen vermag. Wollen sie also auf mich hintun, was ihnen und den Ihrigen zuträglich ist, so wird man eine Gattinwählen, die mit Tugend, rechtem Alter, Adel, Schönheit und Besitz be-gabt ist. Was man davon, wenn es zu einem Zwiespalt kommen sollte,vorziehen muß, das werden wir dann erörtern, wenn wir zuvor — waszugleich sehr gut und notwendig scheint — nur einiges wenige zurück-gewiesen haben.
VI VON DEN GRÜNDEN, NACH DENEN ZUGESTANDENIST, DIE REGEL ZU ÄNDERN
VIELLEICHT KÖNNTE EINER SAGEN: WAS TUST DU? DUhast dich anheischig gemacht, für die Wahl der Gattin Regeln zu geben,und dann vergißt du so die Armen und Untern, daß du nur den Be-gütertsten Lehren gibst! Darauf läßt sich leicht antworten: Gar sehrmöchte ich, daß diese unsere Merkblättchen für alle gültig und nutzbarwürden. Aber wenn einer unsere Ratschläge durch Ungunst der Abkunftoder Armut nicht befolgen kann, so soll er seinem Schicksal, nicht unserenLehren, grollen 87 . Kehren wir also zu unserem Vorhaben zurück.Mir scheint, ich sehe einige, die fest behaupten werden, es bleibe eher zuwünschen als zu hoffen, daß alle die Stücke zusammentreffen, die ich inerster Reihe als beherzigenswert nannte. Deshalb werden sie etwas un-geduldig fordern, ich möge jetzt jenen Vergleich anstellen; denn nicht