VI VON DEN GRÜNDEN DIE REGEL ZU ÄNDERN
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vielen Kunstfertigkeiten überlegen erachtete 98 . Jeder, der danach giert,Schätze aufzuhäufen, möge erkennen, daß er vom Wege abgewichen ist,und glauben, daß er sich besser eine gute Frau beilegt als eine begüterte.Themistokles wird uns Zeugnis geben, der einem Vater auf die Frage, ober die einzige Tochter einem guten doch armen Mann zur Frau gebensollte oder einem nicht sehr bewährten doch wohlhabenden, den Raterteilte: Ich möchte weit eher einen Schwiegersohn für dich, dem es amGute, als Gut, dem es am Manne fehlt". Was jener Führer Griechenlands für die Männer, das verfügen wir für die Frauen, denn es ist billig, daßwir uns Gattinnen und nicht Reichtümer zu Gattinnen wählen. Darumerlitten unter den Ephoren als Richtern mit bestem Recht gewisse Laze-dämonier eine Strafe, die zu Lebzeiten des Lysander versprochen hatten,dessen Töchter zu Frauen zu nehmen, später jedoch, als er aus dem Lebengeschieden war, sich weigerten; denn während sie den reichen gehuldigthatten, machten sie gar kein Hehl daraus, daß sie die armen, ob auchwohlerzogenen, verachteten 100 . Wozu mehr ? Der Inbegriff meines Ge-dankens ist: Wir müssen uns Mühe geben, daß wir uns solchen Frauenverbinden, die in allen Stücken ehrsam, wert und angenehm sind; wennes aber zum Zwiespalt kommt, muß es uns angelegen sein, über jedeseinzelne nach seinem Werte mit uns zu Rate zu gehen. Und wie es demAutomedon 101 und den übrigen Pferdekundigen gefiel, Pferde aus-gezeichnet und gut zu nennen, an denen man mehr billigen als tadelnkann, so erklären wir die Frauen des Preises der Gattin für würdig, andenen wir von den genannten Dingen die meisten, oder doch die erstenerkennen. Auch will ich nicht so viel an Last den Menschen unseres Zeit-alters zumal auferlegen, denn es wäre streng und schier ohne Ende, alleszu fordern, wie sehr ich es auch wünschte und begehrte. Aber die Tugendmögen sie zuerst erstreben und dazu alles, was sie sich trauen, erlangenzu können. Ich glaube nicht länger hierüber reden zu müssen. Das übrigeist nämlich Gemeingut und wird dem, der will, durch Geist und Klug-heit leicht zur Hand sein.