Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
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VON DER WAHL DER EHEFRAU

VII VOM GEPRÄNGE UND GLANZ DER HOCHZEIT

ES BLEIBT NOCH, DASS ICH VOM AMT DER GATTINspreche, bei dem alles so voll Freude, voll Heiterkeit, voll Zierde und inallen Stücken als schönstes erkennbar ist, so daß ich fortgerissen vomSchwung der Rede etwas, was besonders zu schildern war, fast ausge-lassen hätte. Ich will doch von der Hochzeit selbst, bevor ich zumzweiten Teil komme, einiges durchlaufen, das ich aus den Denkmalendes Altertums ausgrabe, da es jetzt abgekommen und fast ausgetilgt ist.Der Sache, von der wir nun handeln, wird es sehr wohl dienen, wenn wirim Geiste Umschau halten, was die weisen Alten über Gepränge undGlanz der Hochzeit gedacht haben, die wir, scheint es, auch in dieserSache zum großen Teil nachahmen. Hierüber sind viele kundige Vor-schriften gegeben worden und noch weitere lassen sich geben, derenSinn nicht außer acht zu lassen ist; denn wir halten die Einrichtungenkeineswegs für unüberlegt, da sie für Höchstes das Zeichen sind. Damitaber auch nicht in dieser Denkschrift einer etwa bei mir vermißt, aufwelche Weise er die auserwählte Gattin heimführen soll, werde ich etwasKurzgefaßtes beifügen, das aus den ältesten Aufzeichnungen entnom-men ist.

Vom Gott den Anfang zu nehmen 102 ist mein Vorsatz, von dem anzu-heben die Vernunft dem Gelehrten, die Notdurft dem Wilden, die Sitteden Völkern gebietet und gewissermaßen die Natur selbst. Zum Beginnalso pflegten die Alten mit außerordentlicher Sorgfalt Opfer darzu-bringen, damit offener und bezeichnender der Gott selbst Zeuge diesesheiligen Bundes sei. Hier wurde, wie bei uns Gott der Unsterbliche, sozu Athen Hymenäus 103 , zu Rom Talassius angerufen, damit die Ehe gut,fruchtbar, gesegnet und glückhaft sei. Talassius nämlich, ein anmutigerJüngling und unter den liebsten Mitkämpfern des Romulus an Kriegs-ruhm hervorragend, war gesucht, beredet, gerühmt von allen. Diesemwar beim Raub der Sabinerinnen eine auserlesene Jungfrau vorbehalten,die in seinem Namen bewahrt aber von unwissenden Genossen fast fort-gerissen wurde. Doch die beliebte und volkstümliche Anrufung desTalassius befreite sie von der drohenden Gefahr. Daher ward, weil seineEhe glücklich gewesen, die Sitte eingeführt, ihn bei der Hochzeit an-