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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
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VII VOM GEPRÄNGE UND GLANZ DER HOCHZEIT

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zurufen 104 . So groß also daß die Rede dahin zurückkehre, wo sie ab-wich ist die Macht jener Einung, so stark die Verknüpfung, daßdie so gerühmte Treue gegen die Eltern vom Glanz dieses Bundes ver-dunkelt wird. Es darf nämlich der Gatte nach dem Spruch der Vor-fahren wie auch unseres Glaubens 105 die Augen seines Geistes vor Liebezur Gattin so sehr zuschließen, daß er alles andere unterläßt, nur sieverehrt, sie liebt, ihr folgt. Dem tritt ein sehr gewichtiger Zeuge bei,Homer, bei dem Hektor, da er doch starken Mutes die Asche der Eltern,Brüder und endlich des Vaterlandes ertragen will, das drohende Schick-sal der wohlverdienten Gattin Andromache zu denken, nicht tragenkann. Hier wird jener tapferste Barbarenheld so mild, so weich, daß manmeint, er sei ein gänzlich anderer geworden. Vom Ruhm seiner Tatenaufgerichtet, hat er kein Wort der Klage über sein Ende, viele über dasder Gattin angstvoll stöhnend und seufzend 106 . So werden wir, um nichtzu lang zu sein, uns mit diesem einen begnügen, denn freilich gibt es, undweit mehr als ich wünschte, überall unter den Völkern häufige Beispielefür diese Sache, die oft, der Würde zuwider ausgeklügelt, ihre Urhebermannigfach mit den Flecken der Gottlosigkeit besudeln.Ich lasse jetzt die Kränze beiseite, mit denen man die Braut sowohl alsdie Türpfosten zu putzen pflegt. Ich übergehe die Teppiche und dieübrige Zurüstung, die ich bei solcher Gelegenheit nicht mißbillige undauch der Vornehmheit anstehend erachte. Der Brauch hat daran fest-gehalten, denj enigen Finger der Ehefrauen mit einem Ringe zu schmücken,der dem kleinsten der linken am nächsten ist, woher er auch, wie zuglauben, Ringfinger genannt wird damit ein dauerndes Denkzeichender tiefsten Hinneigung zum Manne sichtbar bleibe. Von diesem Fingererstrecken sich nämlich, wie etliche versichern 107 , gewisse Nerven biszum Herzen. Es war Sitte, vor die Braut Feuer und Wasser zu tragen undvon ihr beides berühren zu lassen, damit bekundet würde, die Frau seivornehmlich um der Hervorbringung des Nachwuchses willen da. Dennwie Hitze und Feuchtigkeit, die in jenen Elementen überwiegen, dieUrsache der Erzeugung sind, so ist die Vereinigung von Mann undWeib zumeist wegen der Zeugung von Kindern eingeführt 108 . DieBraut pflegt sich zu hüten, daß sie nicht die Schwelle des Gatten mit denFüßen berührt, sondern sie läßt sich hineintragen, um kundzutun, nicht