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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
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VON DER WAHL DER EHEFRAU

mit Willen, sondern gewissermaßen durch Gewalt bezwungen gebe siedie ängstliche Verschämtheit auf. Daher trugen jene Alten an bestimmtenTagen, besonders aber an allen Kaienden, die dem Janus geweiht sind,Bedenken, eine Jungfrau heimzuführen, weil es schien, es geschehedieser irgendwie Gewalt, was damals zu sühnen war. Witwen jedoch zusolcher Zeit zu heiraten, verbot der Glaube nicht; wie es ja auch nachAngabe des Verrius Flaccus an Feiertagen gestattet war, alte Gräben zusäubern, nicht aber neue anzulegen 109 . Auch die Schwelle sprach derheidnische Irrtum dem Janus zu; daher die Sitte, um sie nicht beimersten Überschreiten gleichsam mit Füßen zu treten und zu mißachten,sich über die Schwelle heben zu lassen, nicht sie zu betreten. Auchan Feiertagen, an denen die lupercalischen, megalensischen odercircensischen Spiele 110 oder ein anderes Schaustück das Volk in Mengefesthielt, durften Jungfrauen nicht heiraten. Witwen aber war dies ge-stattet. Manche glauben, daß dies vorzüglich aus dem Grunde ein-geführt wurde, damit die Jungfrauen auf diese Tage achteten, gedenkdessen, daß an einem Spieltage die Sabinerinnen geraubt wurden, wasgroßen Schimpf nach sich zog und der Anfang eines schweren und ge-fahrvollen Krieges war. Dagegen den Witwen und denen der Schei-dungsbrief gegeben war, war es durchaus nicht verboten, denn es schienein großer Grund zum Erröten entfernt, wenn das ganze Volk vomSchauspiel in Anspruch genommen nicht zugegen war, während sieHochzeit feierten, mochten frühere Gatten tot oder am Leben sein 111 .Es wird sich ziemen, wenn der Hochzeit, soweit es unseren Mitteln ge-stattet ist, Glanz gegeben wird, damit uns nicht diese Art des Ruhmesentgeht. Gastmähler, Fechterspiele und Zurüstungen zu Volksbe-lustigungen haben viele berühmten Männer gelobt. Hiervon war Theo-phrast so sehr eingenommen, daß er dergleichen Aufwendungen, welchedem Haschen nach Gunst der Menge dienen, des Reichtums Fruchtnannte. Was soll ich jetzt Quintus Mucius, Gaius Appius, Hortensius,Silanus, Publius Lentulus, Scaurus, Pompeius, die Crassus und Luci/ier 112erwähnen, die mit großem Eifer die curulische Ädilität aufs prunkvollsteverwalteten ? Dies ist jedoch von den meisten ernsthaften Männern ge-tadelt worden und wird noch getadelt. Doch finde ich niemanden, derden Glanz der Vermählung getadelt hätte, viele jedoch, die ihn gelobt