VII VOM GEPRÄNGE UND GLANZ DER HOCHZEIT
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haben. Aristoteles , der gelehrteste Mann, den man den Gipfel und denFürsten der Philosophie zu nennen pflegt, billigt in den Büchern, die erüber die Sitten hinterließ, solche Art des Prunkes sogar bei den bestenMännern 113 . Der hochangesehene und berühmte Philosoph ManuelChrysoloras 114 gab seinem Neffen Johannes, einem gebildeten und vor-trefflichen Mann aus dem Ritterstand, eine Gattin, deren Hochzeitäußerst glänzend zugerichtet ward. Als deshalb seine Würde als ernsterPhilosoph von einem Angehörigen angetastet wurde, sagte er: Gott be-hüte ! Bei freudigsten Anlässen ist es uns erlaubt, großartig und festlichzu sein. Und wenn wir gegen den Nächsten kein Unrecht begehen, istuns je nach Würde unserer Familie nirgends solcher Glanz untersagt.Was suchen wir noch Weiteres zusammen ? Die Sache selbst, die immeram meisten vermag, spricht für sich und verlangt keine längere Rede.Neben üppiger Bewirtung, die bei anderen Anlässen getadelt wird, hieraber Billigung erfährt, sehen wir noch jetzt nach sabinischer Sitte witzigeScherze eingeführt, auf daß es ja nicht an Gelegenheit zur Aufheiterungdes Leibes und der Seele mangele 115 . Aus gleichem Grunde werdenSchauspieler zugezogen, die in der Stadt Rom so hoch in Ehren standen,daß man, da alle Meister dieser Kunst gestorben waren, aus deinemEtrurien, der blühendsten Provinz Italiens, Spieler herbeizurufen be-schloß. Deren Ältester und Vortrefflichster in der Kunst, wie ClaudiusRufus überliefert, Histrus hieß 116 . Alle übrigen Histrionen wurden inder folgenden Zeit nach ihm benannt, gerade so wie Epikuräer, Pytha-goräer und Gnathonen 117 nach ihren Stiftern. Verwandte und sonst naheVerbundene waren gewiß in früherer Zeit wie in unserer bei der Hoch-zeit als Geladene zugegen, damit alle, auf die sich Ehre und Ergötzen derHochzeit erstreckte, auch ihre Freude mit der der anderen hätten. Derweise Solon, einer von den Sieben, bestimmte, daß die Braut, wenn siemit dem Gatten vereint wird, einen cydonischen Apfel koste 118 , umgleichsam anzudeuten, daß Stimme und Rede der Frau vor dem Gattenals süß und lieblich gelobt werden sollen 119 . Der Jungfrau wird, wenn siedas Schlafgemach betritt, um die bräutliche Feier zu begehen, das Antlitzverhüllt; im Dunkeln, wo Venus Ehegeleiterin ist, umarmt sie derBräutigam 120 und «in den schoß der gattin geschmiegt, harrt er, daßfriedlicher Schlummer ihm durch die glieder dringe 121 ». Wir erraten,