Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU

Jungfrauen wechselseitig Zeichen der Liebe sehen ließen. Sie sind nämlichüberzeugt, daß die ihren Frauen lieber sein werden, die ihnen schon vor denEhebanden Heb gewesen sind. Denn sie erinnern, es sei von der Natur soeingerichtet und durch Brauch erprobt, daß alle Betätigungen, abge-sehen von ganz wenigen, im Verlauf von Zeit geschehen; verbrennenwir doch nicht gleich, wenn wir Feuer berühren, noch leuchten Hölzer,die mitten in die Flammen geschoben werden, sofort auf. Deshalb haltensie es bei sich für notwendig, wie bei der Wahl von Freunden so auch beider vom Gatten das Bild ihres Geistes mit sicherem Urteil zu wählen,denn sie zweifeln nicht, daß unvermittelt weder richtig geurteilt nochstark geliebt werden könne. Wieweit diese Gewohnheit billigenswertist, mögen sie selbst zusehen. Doch wird in der Tat nicht zu leugnen sein,daß sie für die Freude und Beständigkeit der Liebe dienlich ist. Auch diewill ich nicht mit Schweigen übergehen, die mit Liebestränken und Be-schwörungen die Neigung ihrer Männer erpressen wollen. Ich pflege sieFischern zu vergleichen, die, wie es an edichen Orten Toscanas gewöhn-lich geschieht 19 , die Fische mit einem Betäubungsmittel fangen und siedadurch unschmackhaft und fast ungenießbar machen. Nicht anders auchscheinen sie hier zu handeln als Wanderer, die Heber Bunde führen alsSehenden folgen woUen 20 .

Aus Eifer also und freiem Antrieb werde die gegenseitige Liebe gesucht,gehütet und gesteigert. Dies wird durch Leben und Taten der be-rühmtesten Frauen beleuchtet, und wenn sie diese nachahmen, werdensie die Probe der Tugend, Liebe und Beständigkeit wagen. Pantheahegte und liebte den Fürsten von Susa, ihren Mann Abradatas, in wunder-barer Weise, sie hielt ihm auch als Gefangene die Treue, machte ihm denCyrus zum Freunde, und um ihn prächtig auszurüsten, hatte sie all ihreMittel und Schätze nicht etwa vergeudet, sondern wohl angelegt. Dieserkämpfte aufs tapferste gegen die ägyptischen Bundesgenossen desKrösus, um seinen Dank an Cyrus abzutragen und als Mann seinerGatün Panthea würdig zu erscheinen, und fiel ehrenvoU beim Werkeines tapferen Feldherrn und wackeren Kriegers. Um ihm das edelsteTotenopfer zubringen, gab sie sich selbst über seinem mit einzigem Eiferaufgesuchten Leichnam den Tod 21 . Cassandane Hebte den Cyrus so sehr,daß es ihr bei ihrem Sterben weit bitterer ward, von Cyrus als vom Leben