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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
55
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II VON DER LIEBE

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zu scheiden. Um also nicht als undankbarer Gatte zu handeln, beweinte ersie langwährende Zeit, als sie starb, und gebot ihr zu Ehren Trauer allden unendlich vielen, über die er herrschte 22 .

Den Themistokles umfing die Gattin mit so großer Innigkeit, daß manvon ihr glaubte, sie denke auf nichts anderes als liebevolle Ergeben-heit für ihren Mann. So geschah es, daß jenes berühmteste HauptGriechenlands ihr in allen Stücken nachgab, und daß es überliefert ist,sie habe mehr vermocht als die übrigen Griechen ihrer Zeit. Denn wassie wollte, das wollte auch Themistokles, was Themistokles, die Athener ,und was die Athener , das gesamte Griechenland 23 . Thesta, des älterenDionysius Schwester, war dem Polyxenus angetraut. Dieser wurde demTyrannen später verfeindet und floh in Furcht aus Sizilien . Dionys läßtdie Schwester herbeirufen und beschuldigt sie, weil sie als Mitwisserinder Flucht ihres Gatten ihm nichts gemeldet habe. Im Vertrauen auf ihreStandhaftigkeit und das erlesene Vorrecht der Tugend, antworteteThesta: Scheine ich dir denn, oh Dionys, ein dermaßen niedriges undverworfenes Weib zu sein, daß ich nicht Begleiterin und Genossin seinesGeschicks hätte sein wollen, hätte ich die Flucht des Gatten erfahren?Lieber fürwahr wäre mir gewesen, Gattin des auch verbannten Polyxenuszu heißen, denn Schwester von Dionys dem Tyrannen. Die Syrakusanerbewunderten ihre Seelengröße und ehrten sie sogar nach der Vertreibungder Tyrannen mit königlichen Ehren, solange sie lebte. Dem Leichenzugder Verstorbenen aber folgten alle Stände, alle Klassen, kurz ganz Syra-kus 24 . Des Tigranes Weib Armenia ist den Frauen ein ungemeines Vor-bild. Auf dem Kriegszug nämlich, den Cyrus wider die Assyrer führte,folgte sie dem Gatten, da sie sein Fernsein gar nicht ertragen konnte,durch so viele Fährnisse überallhin unermüdlich mit beherztestemMute 25 . Bei Homer verkündet Andromache , wie sehr sie an ihrem Hektorhinge, auf den sie jede Liebe gewandt hat, gar mit diesen Versen:Du du bist mir Vater allein und zu ehrende MutterDu mir Lieblingsbruder, zu allem auch trautester Gatte 26 .Vor Sehnsucht nach ihm ihrer selbst nicht mehr mächtig, durcheilt sieeinmal die Stadt und umwandert die Mauer 27 .

Camma, eine ausgezeichnete Frau, hat sich's verdient, daß ich an dieserStelle ihrer Tugend gedenke, denn obwohl die Erzählung hiervon etwas