Antwort erhalten. (Hört! Hört! rechts.) - Ich frage: wie istesmöglich, daß einfürunsso wichtiges Abkommen,wenn es uns notifiziert worden ist, im Akten-schrank verschwand? Und jetzt, in der Antwort des Finanz-ministers auf unsere Frage müssen wir lesen, daß auch in denJahren 1922 und 192? die Okkupations-mächte sich an dieses Abkommen in keiner Weisegehalten haben. (Hört! Hört! bei den Deutschnationalen.)
Meine Damen und Herren! So dürfen dieseDinge,so können diese Dinge unter keinen Umständenweiterbehandelt werden. (Sehr richtig! rechts.) — Washelfen uns alle Konsultationen der berühmtesten Ärzte des Erd-balls, wenn das Herzblut uns aus der offenen Wunde strömt undwenn niemand Miene macht, das Blut zu stillen und die Wundezu verbinden! (Erneute Zustimmung rechts.)
Sie sehen, eS handelt sich da um ganz andere Dinge als etwadarum, die Lasten vom unbesetzten Gebiet aufs besetzte Gebiet abzuwälzen. Wir verlangen, daß die Reichsregierung im Interesse derbesetzten Gebiete selbst und im Interesse des ganzen Reiches sichrührt, um hier eine Änderung mit allen Mitteln, die ihr zur Ver-fügung stehen, herbeizuführen. Wir wissen, daß wir mit unsererForderung die Bevölkerung der besetzten Gebiete, soweit sie die Zu-sammenhänge übersieht, nicht gegen uns, sondern hinter uns haben.Wir wissen, daß uns das besetzte Gebiet nichtdurch kurzbeinige Beschönigungen erhaltenbleiben kann, sondern nur dann, wenn wir denharten Tatsachen ins Auge sehen und ent-schlossen sind, uns zu wehren.
Leider ist die Behandlung des Themas „BesatzungSkosten"kein Einzelfall. Sie ist in gewisser Beziehung typisch für dieauswärtige Politik der gegenwärtigen Reichs-regierung, die mir nicht Lösungen zu suchenscheint, sondern von der ich den Eindruck habe,daß sie den Entscheidungen ausweicht.
Sie wissen, daß meine Freunde von Ansang an gegen denKurswechsel, der mit der Ersetzung des Kabinetts Cuno durä,das Kabinett Stresemann eingeleitet wurde, die schwersten BedenkenHatten. Daß damals der Kurs der auswärtigen Politik grundsätz-lich umgesteuert worden ist, das heute noch zu bestreiten, hat, glaube
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