Meine Herren, ich knüpfe an diese Betrachtung die weitere nichtminder wichtige Frage: wie steht es mit unseren Eisenbahnen? InDeutschland spricht man von Krediten, im Ausland vonInterNationalisierung. Im Ausland spricht mandavon, daß das Ausland, wenn es uns lv Milliarden gibt, dieübrigens in erster Linie dazu dienen sollen, die verwundbarste Stelleunseres französischen Gegners unverwundbar zu machen, den Frankvor weiterem Sturz zu schützen, — im Ausland spricht man davon,daß diese 10 Milliarden selbstverständlich nur gegeben werden können,wenn den Geldgebern eine weitgehende Jngerenz in die Verwaltungunserer Eisenbahnen gegeben wird. Ja sogar die „KölnischeZeitung", die doch schließlich dem Herrn Außenminister nichtganz fern steht, hat vor einiger Zeit geschrieben, daß man äußerstungünstige und pessimistische Möglichkeiten insAuge fassen müßte, und daß man glaube, daß derdeutsche Anteil an der Reichsbahn nicht einmaldie Hälfte, sondern nur etwa 40 Prozent be-tragen könne. (Hört! Hört! bei den Deutschnationalen.)
Meine Damen und Herren! Vom Standpunkt der Arbeiter-und Beamtenschaft, der Tarifpolitik, der ganzen deutschen Wirtschaftist es ausgeschlossen, daß wir uns das deutscheEisenbahnsy stem durch irgendeine internatio-nale Einmischung und Kontrolle aus der Handwinden lassen. (Lebhafte Zustimmung bei den Deutschnatio-nalen.)
Wir verlangen hierüber beruhigende Erklärungen.Ich kann eine Beruhigung über die ungeheure Gefahr, die Ihnenallen klar sein wird, nicht darin sehen, wenn der Außen-minister, wie es in Elberfeld geschah, auch nach den etwasmilderen Berichten, als von einer Selbstverständlichkeitdavon spricht, daß, wenn das Ausland uns Kapital zur Verfügungstellt, es dann auch eine Kontrolle, wie es nach dem einen Berichtheißt, und nach dem anderen Bericht eine Vertretung imAufsichtsrat gewisser Unternehmungen zu bean-spruchen habe. Was sind das für „gewisse Unterneh-mungen?" — Doch in erster Reihe die Goldnotenbank und dieReichseisenbahnen. Ich habe selbst mehr wie eine internationaleAnleihe abgeschlossen, und die Anleihen, bei denen eine solche Ein-mischung in die fremden Verhältnisse verlangt wird, sind doch die
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