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gewachsen war. Ebenso wie der Staat sich zum Zweck der Aufbringung der Mittelfür seine gewaltigen Rüstungen an den Londoner Geldmarkt wenden mußte, ebensowar die japanische Volkswirtschaft außer stände, die für die Reorganisation von Wehr-kraft und Volkswirtschaft erforderlichen Gegenstände selbst im ganzen Umfang herzu-«stellen oder den Teil, der aus dem Auslande bezogen werden mußte, mit Ausfuhrwarenzu bezahlen. Soweit das Erträgnis der im Ausland aufgenommenen Anleihen zurBezahlung der Mehreinfuhr, die sich von 1896 bis 1903 auf insgesamt 355 MillionenJen belief, nicht ausreichte, mußte entweder Edelmetall abfließen oder der Kredit desAuslandes auch von den privaten Unternehmungen in Anspruch genommen werden.So erklären sich aus der gewaltigen Anspannung der Staatsfinanzen und der Volks-wirtschaft Japans die Schwierigkeiten, mit denen die Erhaltung einer soliden Fundierungder neubegründeten Goldwährung zu kämpfen hatte. So erklärt es sich ferner, daßdie Japaner sich im Laufe der letzten Jahre genötigt sahen, mit ihrer Zurückhaltunggegenüber dem fremden Kapital einigermaßen zu brechen. Nur in der allerersten Zeitdes neuen Systems und der intensiven Berührung mit der europäischen Kultur hatteJapan Anleihen auf dem englischen Markte aufgenommen: später dagegen suchte mansich von dem ausländischen Kapital in dem Maße unabhängig zu halten, daß fürFremde der Erwerb von Aktien von Eisenbahngesellschaften, Banken, industriellenUnternehmungen usw. verboten wurde. Die in den letzten Jahren des 19. Jahrhundertsaus den eben angedeuteten Gründen hervorgegangene Geldknappheit, verbunden mit derGefährdung der Goldwährung, hat nicht nur den japanischen Staat zur Aufnahmeder Sterlinganleihe von 1399 und der weiteren Anleihe von 1902 in London genötigt,sondern auch zu einer teilweisen Aufhebung des Verbots der Übertragung von Aktienjapanischer Unternehmuugen an Ausländer geführt. '
Die Vergleichung dieser Entwicklung Japans in den letzten Jahren vor dem Kriegemit derjenigen Rußlands ist außerordentlich interessant. Während Rußland bis unmittelbarvor dem Kriegsausbruch ungestört an der fortschreitenden Konsolidierung seiner Finanz-verhältnisse arbeitete, während die russische Volkswirtschaft auch in den Zeiten derindustriellen Krisen und der Mißernten einen Ausfuhrüberschuß abwarf, der für dieBegleichung seiner Zahlungsverpflichtungen an das Ausland mehr als ausreichend war,während es Rußland insbesondere gelungen ist, zur Sicherung seiner Währung undals eventuelle Kriegsreserve einen gewaltigen Goldbestand anzusammeln und zu erhalten,hat Japan für die Durchführung seines Rüstungsprogramms und für die Ausstattungseiner Industrie seine finanziellen und wirtschaftlichen Kräfte bereits seit Jahren nahezubis zur Grenze der Leistungsfähigkeit angespannt; es hat sich genötigt gesehen, seineVerschuldung, namentlich seine Verschuldung an das Ausland, beträchtlich zu steigernund die Grundlage seines Kredits, seine Währung, einer starken Belastungsprobe aus-zusetzen. Kurz: für Japan hat der Krieg in finanzieller Beziehung nicht erst im Februar1904, sondern schon einige Jahre früher begonnen.