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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Tie finanzielle Seite des rnssisch-japanischen Krieges.

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II.

Die Wege, auf denen ein moderner Staat die für die Durchführung einesKrieges erforderlichen Mittel bereitstellen kann, sind im wesentlichen folgende:

Zunächst versteht es sich von selbst, daß die etwa vorhandenen freien Beständeder Staatskasse und verfügbaren Fonds für die Kriegsausgaben in Anspruch ge-nommen werden.

Ferner kommt in Betracht eine Änderung des Wirtschaftsplans für denStaatshaushalt, sei es, daß durch Erhöhung der Besteuerung und Erschließung neuerEinnahmequellen der Staatskasse neue Mittel für den Krieg zugeführt werden, sei es,daß durch Zurückstellung von nicht dringlichen Aufwendungen ein Teil der imBudget für andere Zwecke bestimmten Mittel für den Krieg frei gemacht wird.

Da jedoch die enormen Kosten eines modernen Krieges unmöglich aus vor-handenen Beständen und laufenden Einnahmen voll gedeckt werden können, wird dieInanspruchnahme des Kredits zur Notwendigkeit. In allen neueren Kriegen habendie beteiligten Staaten sich genötigt gesehen, mit der Ausgabe verzinslicher Schuld-verschreibungen an den Geldmarkt heranzutreten, und zwar meist nicht nur an denGeldmarkt des eigenen Landes, sondern an den sogenannteninternationalen Geld-markt": sogar das kapitalreiche England , das als das Herz des internationalen Geld-marktes gilt, hat es während des Bnrenkrieges und der chinesischen Wirren im Jahre 1900für rätlich gehalten, sich mit einem Teil seines Kreditbegehrs an die Vereinigten Staatenzu wenden.

Neben der Aufnahme von Anleihen im eigentlichen Sinn (öffentlichen An-leihen") ist von besonderer Wichtigkeit die Inanspruchnahme des Kredits der großenNotenbanken, die einmal in ihren Fonds für die Noteneinlösung regelmäßig übergroße Bestände von Metallgeld verfügen, anderseits auf Grund ihres Notenrechtesim stände sind, in Form von Banknoten dem Staate sofort erhebliche Summen zurVerfügung zu stellen. Nahe verwandt damit ist die Ausgabe von Papiergeld durchden Staat selbst. Das Zurückgreifen auf die Barbestände einer großen Notenbankund auf deren Notenausgabe sowie die Ausgabe von Papiergeld ist von einer so ein-leuchtenden Bequemlichkeit, daß dieses Mittel seit dem Aufkommen papierner Geldzeichenund der Entstehung der großen Notenbanken im Kriegsfalle stets in großem Umfang,meist sogar an erster Stelle, in Bewegung gesetzt worden ist. Es hat die Münz-verschlechterung, zu der die Staaten früher in Finanznöten gegriffen haben, abgelöst; aberdas neue Mittel ist, wenn es nicht mit der äußersten Vorsicht gehandhabt wird, nichtminder eine Geldverschlechterung, wie die früher geübte Ausprägung des Metallgeldesmit einem geringeren Feingehalt: Die Verringerung der Bardeckung bei der gleich-zeitigen Erweiterung der Papierzirkulation stellt die Einlösbarkeit der papiernen Um-laufsmittel und damit die Aufrechterhaltung der Valuta, dieser Grundlage des Staats-kredits, in Frage. Darin liegt die große Gefahr dieses bequemsten Mittels derGeldbeschaffung. Rußland und Japan haben in ihrer finanziellen Vergangenheit beidedie schweren Nachteile der Papierwährung am eigenen Leibe gespürt und unter großenOpfern das in früheren Zeiten direkt und durch bankmäßige Vermittlung ausgegebenePapiergeld wieder beseitigt. Gleichwohl ist nicht daran zu denken, daß die Jnanspruch-