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nähme des Metallbestandes der großen Zentralbanken und der Notenpresse als Mittelder Geldbeschaffung in Kriegszeiten ausgeschaltet werden wird. Denn einmal ist dieAnwendung dieses Mittels innerhalb gewisser Grenzen möglich, ohne daß die geschildertenGefahren heraufbeschworen werden; innerhalb dieser Grenzen, für deren Abmessunges ein untrügliches Kriterium allerdings nicht gibt, wird kein Staat auf die großenBorteile der Inanspruchnahme einer Notenbank oder der Papiergeldausgabe, auf dieLeichtigkeit, Billigkeit und Promptheit der Geldbeschaffung, verzichten wollen, umso-weniger, je größer die Schwierigkeiten, je ungünstiger die Bedingungen und je größerder Zeitverlust bei der Aufnahme von Anleihen auf dem Geldmarkte ist. Außerdemaber gilt auch hier die Wahrheit, daß die Not Eisen bricht: wenn die übrigen Mittelder Geldbeschaffung nicht mehr ausreichen, dann muß schließlich auch die metallischeWährung der Erhaltung des Staates geopfert werden.
In der zweckmäßigen Kombination der verschiedenen Mittel der Geldbeschaffung,in der Anwendung eines jeden einzelnen zur richtigen Zeit und im richtigen Umfang,liegt die Kunst der finanziellen Kriegführung. In den folgenden Ausführungen sollennach diesen Gesichtspunkten die von Rußland und Japan bisher ergriffenen finanziellenKriegsmaßnahmen dargestellt werden.
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Die finanzielle Situation Rußlauds zu Beginn des Krieges war — wie kurzwiederholt werden möge — in ihren wichtigsten Zügen folgende:
Der freie Barbestand der Reichsrentei bezifferte sich nach den Berechnungendes Finanzministers für den 1. Januar 1304 auf 312 Millionen Rubel. Das Budgetfür 1904 sah an ordentlichen Ausgaben 1966,5 Millionen, an außerordentlichen Aus-gaben, die nahezu ausschließlich für Eisenbahnzwecke bestimmt waren, 212,2 Millionen,zusammen 2178,7 Millionen Rubel Ausgaben vor. Von diesen waren 1982,9 Millionendurch die ordentlichen Einnahmen und den Ertrag aus der ewigen Einlage beider Neichsbank gedeckt, während der fehlende Betrag von 195,8 Millionen Rubel aufden freien Bestand der Reichsrentei angewiesen wurde, der sich dadurch auf etwa116 Millionen verringert hätte.
Die Staatsschuld bezifferte sich Anfang 1904 auf 6636 Millionen Rubel; siehatte sich im Laufe der letztvergangenen Jahre nur langsam und in beträchtlichgeringerem Umfange als das ihr gegenüberstehende produktive Staatsvermögen vermehrt.
Der Goldbestand der Reichsbank und der Reichsrentei wird für Ende 1903auf 1058 Millionen Rubel angegeben. Die russische Reichsbank allein verfügte am1./14. Januar 1904 über einen Kassenbestand in Gold von 732,9 Millionen Rubelund über 169,1 Millionen Rubel in Goldwechseln und Goldguthaben im Ausland,")
Bei der Berechnung dieses Betrages sind hier, ebenso wie in der folgenden Darstellung,die im Umlauf befindlichen Goldwechsel auf das Ausland, aus denen die Bank selbst zur Zahlungverpflichtet ist (Passivposten „^i-aites sirr l^ti-anAer") in Abrechnung gebracht; am 1./18. Januar1904 betrugen die Goldguthaben im Ausland 166,6 Millionen Rubel, die im Besitz der Bankbefindlichen Goldwechsel auf das Ausland 8,2 Millionen, die im Umlauf befindlichen Goldwechselauf das Ausland, aus denen die Bank verpflichtet war, S,7 Millionen.