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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges.

ausschließlich auf neue Unternehmungen und Maßnahmen zu erstrecken, die ohne Störungdes gewöhnlichen Ganges des öffentlichen Lebens und ohne die Verletzung irgend welcherRechtsansprüche unterlassen werden könnten.

Die Gesamtsumme der Streichungen beziffert sich auf 134,4 Millionen Rubel;davon entfallen auf die bereits in den Vorjahren eröffneten Kredite 18,3 Millionen,auf das Budget von 1904 kommen 115,5 Millionen Rubel. Die wichtigstenStreichungen beziehen sich auf Eisenbahnbanten, bei denen ein Betrag von 55 MillionenRubel von den ursprünglich vorgesehenen Ausgaben abgesetzt worden ist. Von denStreichungen im Budget für 1904 kommen 60 Millionen Rubel auf die ordentlichen,55 Millionen Rubel auf die außerordentlichen Ausgaben. In Verhältniszahlen betragendie Streichungen für das Gesamtbudget 5,3 Prozent, für die ordentlichen Ausgaben3 Prozent, für die außerordentlichen Ausgaben 26 Prozent. Auch nach diesen Strei-chungen bleiben die für 1904 angesetzten ordentlichen Ausgaben immer noch um26 Millionen höher als nach dem Anschlag für 1903.

Zu ähnlichen Maßnahmen hat Rußland bisher in Kriegszeiten stets gegriffen.So wurde z. B. im Jahre 1812 angeordnet, daß alle öffentlichen Bauten und alleKreditgewährung an Private unterbleiben sollten. Auch der Krimkrieg, der türkischeKrieg und zuletzt die chinesischen Wirren im Jahre 1900 haben Anlaß zu einer Ein-schränkung der in das Budget eingestellten Ausgaben gegeben.

Neben der Vermehrung des verfügbaren Kassenbestandes der Reichsrentei umden Betrag der Herabsetzung der Ausgaben ist eine weitere Vermehrung dadurch ein-getreten, daß der vorläufige Kassenausweis für das Rechnungsjahr 1903 einen größerenÜberschuß der ordentlichen Einnahmen über die ordentlichen Ausgaben brachte, als erbei der Berechnung des verfügbaren Bestandes der Reichsrentei in dem Budgetberichtdes Finanzministers für 1904 angesetzt worden war. Auf Grund dieses Kassen-ausweises - ist der am 1. Januar 1904 nach Deckung der ursprünglich vorgesehenenAusgaben für 1904 zur Verfügung stehende Bestand der Reichsrentei auf mehr als132 Millionen Rubel berechnet worden. Durch die erwähnte Änderung des Budgetswurde mithin der verfügbare Bestand auf 266 Millionen Rubel gebracht.") Fernererwähnt die offizielle Veröffentlichung imRegierungsboten" vom 13. Mai, daß aufGrund spezieller Dekrete verschiedene Summen in der Gesamthöhe von 14 MillionenRubel den Einnahmen zuzuschlagen seien, und daß in den ersten Monaten des Jahres1904 die effektiven Einnahmen den Voranschlag überschritten hätten. Infolgedessenkönne man, ohne daß es nötig wäre, andere Umstände, welche zu einer weiteren Ver-mehrung beitragen würden, in Rechnung zu ziehen, den Gesamtbetrag der für dieKriegszwecke verfügbaren Mittel auf mehr als 300 Millionen Rubel veranschlagen.

So ansehnlich dieser Betrag (in deutschem Geld etwa 650 Millionen Mark)erscheint, so mußte von vornherein klar sein, daß ein Krieg von einiger Dauer mitdiesen Mitteln allein nicht geführt werden konnte. Die Kosten des Krieges werdenallerdings sehr verschieden taxiert. Die Tatsache, daß der Transport von Truppen

DieFrankfurter Zeitung " berechnete am 17. April auf Grund des vorläufigenKassenabschlusses und der Änderung des Budgets für 1901 den verfügbaren Bestand der Reichsrenteiauf 273 bis 300 Millionen Rubel.