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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges.

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und Kriegsmaterial auf gewaltige Entfernungen hin erfolgen muß, ist einerseits ge-eignet, eine erhebliche Verteuerung der Operationen herbeizufuhren, anderseits wird vonoffiziöser Seite darauf hingewiesen, daß der Krieg auf russischem Territorium geführtwird, und daß für einen nicht unerheblichen Teil der Kriegsausgaben, namentlich fürdie Bahnsrachten, die Regierung selbst wieder der Empfänger ist. Teilweise lautendie Schätzungen der durch den Krieg entstandenen Mehraufwendungen für das Heerauf 1 Million Rubel, für die Flotte auf ^2 Million Rubel pro Tag, wozu nochdie Aufwendungen für Material- und Munitionsersatz zu rechnen seien, so daßdie Kriegsausgaben mit 6t) Millionen Rubel pro Monat niedrig veranschlagtwären.") Von anderen Seiten wird das monatliche Kriegserfordernis auf 80 bis100 Millionen Rubel veranschlagt."") Eine Petersburger offiziöse Mitteilung be-zifferte die vom Beginn der Feindseligkeiten bis zum 5. April bewirkten Kriegs-ausgaben ans 92'/s Millionen Rubel und veranschlagte den bis zum Juni erforder-lichen Betrag auf 200 Millionen.""") Nach einer weiteren Mitteilung imRegierungs-boten" vom 5./18. August bezifferten sich bis zum 16. August die allen Ressorts fürKriegszwecke eröffneten Kredite auf insgesamt 257 ^'2 Millionen Rubel.

Es war für die russische Regierung ein ganz selbstverständliches Gebot derVorsicht, daß sie sich beizeiten nach Mitteln zu einer weiteren Verstärkung der ihrfür den Krieg zur Verfügung stehenden Beträge umsah. Da man die Inanspruch-nahme der russischen Reichsbank aus den bereits dargestellten Gründen von der Handwies, blieb nur die Aufnahme einer Anleihe. Vor die Frage der Aufnahme einerAnleihe im Inland oder Ausland gestellt, entschied sich Rußland zunächst für eineausländische Anleihe.

Noch im türkischen Kriege hatte Rußland eine andere finanzpolitische Taktikverfolgt. Damals hatte man zur Deckung der Kriegsbedürfnisse, abgesehen von einerEinschränkung der im Budget vorgesehenen Ausgaben, zunächst die Notenpresse in Be-wegung gesetzt. Die Finanzverwaltung ließ sich von der Reichsbank unverzinslicheVorschüsse gewähren, und die Reichsbank emittierte zu diesem Zweck alstemporär"bezeichnete Kreditbillette bis zu einem Betrage von nahezu einer halben MilliardeRubel. Daneben wurden allerdings auch öffentliche Anleihen aufgenommen, aber nurim Inland selbst, nämlich die sogenannten Orientanleihen, die auf Kreditrubel lautetenund mit fünfprozentiger Verzinsung ausgestattet waren; von diesen Anleihen wurden200 Millionen Rubel im Frühjahr 1877 und je 300 Millionen Rubel im Herbst1878 und im Frühjahr 1879 ausgegeben.

Wenn die russische Regierung sich im gegenwärtigen Falle entschied, ihre be-reiten Bestände durch die Aufnahme einer Anleihe im Ausland zu vergrößern, so wardafür wohl bestimmend einmal die Rücksichtnahme auf den inneren Geldmarkt Ruß-lands , der teils noch unter den Nachwirkungen der Krisis von 1900/02 zu leiden,teils infolge der natürlichen Wirkungen des Krieges mit Schwierigkeiten zu kämpfenhat; insbesondere war zu berücksichtigen, daß in der ersten Zeit des Kriegsausbruchs

^) Rs-pnaizl-Ksor^es I^6vy in derksvus äss dsnx Älouäss".Frankfurter Zeitung " vom 17. April 1904, erstes Morgenblatt.^)Noonomistö lluroxssn" vom 22. Npril 1904.