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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges.

beträchtliche Posten von russischen Werten, die sich bis dahin im Ausland befundenhatten, nach Rußland zurückgeflossen waren und von dem russischen Markt hattenaufgenommen werden müssen. Ferner sprach für die Aufnahme einer Ausländs-anleihe die Tatsache, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der Kriegsausgaben im Aus-land geleistet werden muß, so die Zahlungen für den Ankanf von Schiffen, vonProviant und Kriegsmaterial jeder Art. Dazu kommt die Steigerung der Zahlungs-verpflichtungen der russischen Volkswirtschaft an das Ausland, die der Krieg im Ge-folge haben muß. Der außerordentliche Bedarf an Proviant und Pferden für dasHeer ist geeignet, die Ausfuhr an diesen Dingen einzuschränken, während der Bedarfan Kriegsmaterial anderer Art die Einfuhr vergrößert. Schon um zu vermeiden,daß aus dieser Verschiebung der Zahlungsbilanz zuungunsten Nußlands ein starkerGoldabfluß und eine Bedrohung der Goldwährung entstehe, mußten die russische Reichs-bank oder die Reichsrentei dem Markte Wechsel auf das Ausland zur Verfügungstellen. Das ist namentlich in den ersten Monaten nach dem Kriegsausbruch ingroßem Umfang geschehen.") Diese Wechselziehungen mußten natürlich eine Ver-minderung der Auslandsguthaben herbeiführen. In der Tat ist der Bestand derrussischen Reichsbank an Auslandswechseln und an Guthaben im Ausland von169,1 Millionen Rubel am 1./14. Januar 1904 bis auf 39,9 Millionen am16./29. Mai herabgegangen. Offiziell wurde der aus den Wechseltransaktionen ent-standene Abgang vom Auslandsguthaben der Bank für die erste Hälfte des Jahres1904 auf 57,6 Millionen Rubel angegeben."-)

Von den ausländischen Geldmärkten kam für die Aufnahme einer größerenrussischen Kriegsanleihe aus verschiedenen Gründen in erster Reihe der französische Markt in Betracht. Neben den politischen Beziehungen und der Willigkeit, mit derbisher das französische Kapital enorme Beträge von russischen Werten absorbiert hatte,fiel ins Gewicht, daß um die Zeit, zu der Rußland dem Gedanken der Aufnahmeeiner Auslandsanleihe näher trat, in Paris der Geldstand beträchtlich flüssiger warals etwa in Deutschland; der englische und amerikanische Markt aber erscheinen fürRußland aus politischen Gründen verschlossen. Frankreich hatte seit Monaten er-hebliche Zuflüsse von Gold erhalten, einmal dadurch, daß die französischen Geldgeberallmählich ihre in England seit dem südafrikanischen Kriege kurzfristig ausgeliehenenGelder, die sich zeitweise auf 40 Millionen L belaufen haben sollen,""") zurückzogen,ferner infolge der Ablösungszahlungen der Vereinigten Staaten für den Panamakanal(etwa 200 Millionen Franken). Trotz des flüssigen Geldstandes hat natürlich derKrieg und sein bisher für Rußland ungünstiger Verlauf die Bedingungen, unter denender französische Markt bereit war, Rußland seine Mittel im Wege des Kredits zurVerfügung zu stellen, sehr erheblich erschwert. Während sich der Kurs der russischenvierprozentigen Rente im letzten Jahre ungefähr auf der Parität gehalten hatte und nochim Juli 1903 in Paris 173 Millionen Franken russischer vierprozentiger Eisenbahn-obligationen zu Pari aufgelegt worden waren, hatte sich der Kurs der vierprozentigen

Vergl.Frankfurter Zeitung" vom 10. Februar 1904, Abendblatt ,Frankfurter Zeitung " vom 20. August 1904, erstes Morgenblatt.^) Londoner,üeovomist^ vom 14. Mai 1904, Pariser Korrespondenz.