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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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1077
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Die finanzielle Leite des russisch japanischen Krieges, 1077

das sich einschließlich des Bestandes an Auslandswechseln von 39,9 MillionenRubel am 10./29. Mai auf 108,7 Millionen Rubel am 8./21. Juni gehobenhat. Wie zu der Zeit, als die Verhandlungen über die neue Anleihe noch schwebten,wiederholt erklärt worden ist, besteht nicht die Absicht, einen irgend erheblichen Teildes Anleihe-Erlöses nach Rußland überzuführen, der Erlös soll vielmehr im Auslandzur Bestreitung der dort zu leistenden Ausgaben belassen werden.

Wenn die Schätzungen der Kriegskosten auf 8V bis 100 Millionen Rubelpro Monat zutreffend sind, so hat sich Rußland mit der in Frankreich aufgenommenenAnleihe für nicht viel mehr als für deu Bedarf eines Vierteljahrs gedeckt. Es ist deshalbbegreiflich, daß man allgemein die französische Anleihe nur als einen ersten Schrittaufgefaßt hat, dem bald weitere Schritte folgen müßten. Schon während die Ver-handlungen über die Begebung der Schatzscheine noch schwebten, hat man aus derTatsache, daß deutsche Bankhäuser zu dem Ubernahmesyndikat nicht beigezogen wurden,den Schluß gezogen, daß die russische Regierung sich den deutschen Markt für eineweitere Anleihe freihalten wolle, und unmittelbar nach dem Abschluß der Verhandlungenmit der französischen Gruppe berichteten einige Blätter, daß Rußland schon MitteMai wegen einer weiteren Emission von Schatzscheinen im Betrage von 300 MillionenFranken an ein deutsches Syndikat herantreten werde. Ähnliche Gerüchte wiederholtensich insbesondere im Juli zu der Zeit, als Herr v. Witte den deutsche » Reichskanzlerin Norderney besuchte; der Abschluß des deutsch -russischen Handelsvertrags wurde inunmittelbare Verbindung mit einer russischen Anleihe in Deutschland gebracht. Auchdiesesmal wurden bestimmte Zahlen, bald 400 Millionen, bald 250 Millionen Markgenannt. Von russischer Seite sind diese Gerüchte stets prompt dementiert worden,mit dem Hinweis darauf, daß der Fiuanzverwaltung noch für längere Zeit hinausausreichende Mittel für die Deckung der Kriegskosten zur Verfügung ständen. Ab-gesehen davon, spricht die innere Wahrscheinlichkeit dafür, daß Rußland in Anbetrachtder gegenwärtigen Kriegslage eine weitere Juanspruchnahme des ausländischen Kreditsso lange wie möglich verschieben wird.

Dagegen hat Nußland im August, zum Zweck der Ergänzung seiner Bar-bestände, zur Aufnahme einer inneren Anleihe gegriffen. Durch einen Ukas vom30. Juli/12. August 1904 wurde die Ausgabe von Rentcibilletten iu sechs Serienvon je 25 Millionen Rubel, also im Gesamtbetrag vou 150 Millionen Rubel, an-geordnet. Diese Renteibillettc, die in der Hauptsache unsern Schatzanweisuugen ent-sprechen, aber gleichzeitig in gewisser Beziehung die Eigenschaften eines Kassenscheinsbesitzen, sind eine Eigentümlichkeit des russischen Schuldenwesens. Sie haben eine Lauf-zeit von mehreren Jahren und sind mit einer mäßigen Verzinsung ausgestattet; gleich-zeitig ist den Staatskassen und der russischen Reichsbank die Verpflichtung auferlegt,diese Billette zu ihrem Nennwert in Zahlung zu nehmen; auch bei Kautionsstellunge»werden sie zu ihrem Nennwert genommen. Von diesen Papieren ist seit 1902 einBetrag von 100,5 Millionen Rubel in Umlauf, die ausschließlich zu 3 Prozent ver-zinslich sind. Die Bestimmungen über 150 Millionen Rubel neu zu emittierenderBillette weichen in manchen Punkten von den bisherigen Bestimmungen ab. Statteiner 3 prozentigen ist ihnen eine 3,0 prozentige Verzinsung eingeräumt; sie sind mit

M-rine-Nnndsch-iu. 1904. 10. Hest. 70