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halbjährlichen Zinsscheinen, gegen bisher jährliche, ausgestattet; die Zinsen der Billetteunterliegen nicht der Kapitalrentensteuer; ihr Betrag lautet auf 5V Rubel, statt wiebisher auf 100 Rubel. Alle diese Änderungen sind offenbar darauf berechnet, dieBillette gangbarer zu machen. Die Laufzeit der Billette wurde auf vier Jahre be-messen; nach deren Ablauf hat ihre Einlösung zu erfolgen, und zwar hat sich dieRegierung in diesem Falle nicht, wie es bisher bei der Ausgabe von Renteibillettenüblich war, das Recht vorbehalten, die Scheine nach Ablauf der Berfallzeit zu pro-longieren. Das deutet auf die Absicht der russischen Regierung hin, die Billette nachAblauf der vier Jahre entweder einzulösen oder durch eine langfristige Anleihezu ersetzen.
Die Unterbringung der Renteibillette pflegte bisher im Wege des freihändigenVerkaufs durch die Filialen der Reichsbank und die lokalen Renteien zu erfolgen. Dadie Papiere bei den Staats- und Bankkassen zu ihrem Nennwerte in Zahlung ge-nommen werden, finden sie auch im Privatverkehr Annahme als Zahlungsmittel;wegen der ihnen eingeräumten Verzinsung scheinen sie sich namentlich im Innern Ruß-lands einer gewissen Beliebtheit zu erfreuen. Die neue Emission ist bis zum Betragvon 10V Millionen Rubel von einem Petersburger Bankensyndikat übernommen worden,der Rest scheint im Wege des üblichen freihändigen Verkehrs guten Absatz zu finden.
Mit der vollständigen Ausgabe dieser Renteibillette sind die der russischen Regierung vom Beginn des Jahres an für den Krieg zur Verfügung stehenden Mittelauf 750 Millionen Rubel gebracht. Bei einer Berechnung der monatlichen Kriegs-kosten auf nur 80 Millionen Rubel würde auch dieser Betrag kaum viel über denMonat Oktober hinaus vorhalten. Nach den von der russischen Regierung ausgehendenMitteilungen dagegen wäre anzunehmen, daß die Kriegserfordernisse nunmehr fürlängere Zeit gedeckt seien. Der Petersburger „Regierungsbote" kommentierte die Aus-gabe der Renteibillette mit folgenden Ausführungen:
„Nach dem am 13. Mai veröffentlichten Ausweis der Regierung über die ihrfür Kriegszwecke zur Verfügung stehenden freien Summen betrugen dieselben zu Be-ginn des Krieges über 300 Millionen Rubel. Inzwischen ist bis zum 16. Augustallen Ressorts für Kriegszwecke ein Kredit von 257'/2 Millionen eröffnet worden.Daraus geht hervor, daß der Ertrag der Realisierung der 5prozentigen Schatzscheine,welche im Nominalbetrag von 800 Millionen Franken ausgegeben wurden, noch un-berührt ist. Die eben angeordnete neue Anleihe wird dadurch erklärt, daß einerechtzeitige Vervollständigung der Barmittel während des Krieges besonders wichtigist und die Unterbringung der Serien einige Zeit beansprucht."
Diese Ausführungen sind vielfach starken Zweifeln begegnet, da man derrussischen Finanzverwaltung nicht glauben will, daß sie im Mai die relativ ungünstigenBedingungen der Schatzscheinemission in Paris akzeptiert haben würde, wenn ihr Geld-bedarf wirklich so wenig dringend gewesen wäre, daß der Erlös dieser Emission biszur Mitte des August noch nicht habe angegriffen werden müssen. Auch die Ver-änderungen in den Auslandsguthaben der russischen Reichsbank von Ende Mai an hatman gegen die Wahrscheinlichkeit der Mitteilung des „Regierungsbotcn" angeführt,wobei jedoch bemerkt werden muß, daß die Übertragung eines Teiles des Erlöses derEmission auf das Nenteiguthaben bei der Bank an sich noch keine Verausgabung zu