Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Kriege-Z,
1079
Kriegszwecken bedeutet. Sollten in der Tat die Gesamtausgaben für den Krieg biszum 16. August 257'/s Millionen Rubel nicht überschritten haben, so würde sichdaraus ergeben, daß allgemein die Kriegskosten bisher beträchtlich überschätzt wordensind; denn diese Summe würde für den bisherigen Gang des Krieges nur eine monat-liche Ausgabe von etwa 40 Millionen Rubel bedeuten. Die weitere Entwicklung bleibtin diesem Punkte abzuwarten.
Es erübrigt uns nunmehr noch die Frage, wie weit die russische Finanz-Verwaltung zur Aufbringung der für den Krieg erforderlichen Mittel bisher dierussische Reichsbank in Anspruch genommen hat. Die wiederholten Erklärungen, daßdie russische Regierung von der Möglichkeit, die Kriegsbedürfnisse durch ein Zurück-greifen auf die Goldbestände oder das Notenrecht der Bank zu decken, keinen Gebrauchmachen wolle, um nicht die verfügbaren, Mittel vor der Zeit zu erschöpfen und dieValuta zu gefährden, können natürlich nicht dahin verstanden werden, daß die Regierungsich aller und jeder Mitwirkung der Bank bei ihren finanziellen Operationen, aucheiner solchen, welche die Bank für den Staat in friedlichen Zeiten leistet, habe ent-äußern wollen. Auch in normalen Zeiten läßt die russische Finanzverwaltung einengroßen Teil ihrer Kassengeschäfte durch die Bank bewirken, und sie hält zu diesemZweck bei der Bank, wie bereits erwähnt, ein sehr beträchtliches Guthaben, dessen Höheje nach der Stärke des staatlichen Kassenbedarfs und Kassenbestandes Schwankungenunterliegt. Wir brauchen uns nur zu vergegenwärtigen, daß z. B. bei unserer deutschenReichsbank die öffentlichen Guthaben geschwankt haben im Jahre 1900 zwischen 291.2und 110,3 Millionen, 1899 zwischen 305,8 und 90.6 Millionen, 1898 zwischen 231,0und 84,2 Millionen Mark. Niemand konnte erwarten, daß die russische Finanz-verwaltung nach dem Kriegsausbruch ihr eigenes Guthaben bei der Bank völligimmobilisieren werde, um so weniger, als die Verwendung des verfügbaren Bestandesder Reichsrentci zu den Zwecken des Krieges ohne eine Inanspruchnahme des Rentei-guthabens bei der Bank sich überhaupt nicht vollziehen konnte. Denn der „ver-fügbare Bestand" der Reichsrentci ist nicht etwa ein spezieller, in effektivem Bargeldbereit gehaltener Fonds, sondern eine rechnungsmäßige Größe, die sich aus demBestand der Rentei an Geld und jederzeit fälligen Guthaben nach Abzug der aufGrund bewilligter Kredite noch zu leistenden Ausgaben ergibt. Eine Verwendung des„freien Bestandes" der Reichsrentei kann sich mithin nicht vollziehen, ohne das Rentei-guthaben bei der Reichsbank zu beeinflussen.
Wie weit die Heranziehung der Reichsbank sich innerhalb dieses Rahmensvollzogen hat und welche Wirkungen sie auf den Stand der Bank ausgeübt hat, bedarfeiner kurzen Erläuterung.
Die Veränderung in den Ausweisen der Bank, die am meisten aufgefallen istund vielfach eine mißverständliche Beurteilung erfahren, hat, ist die schrittweise Er-höhung des Passivpostens „Notenemission". Vor dem Ausbruch des Krieges zeigteder Bankausweis eine Notenemission in Höhe von 630 Millionen Rubel. Unmittelbarnach dem Kriegsausbruch, am 1./14. Februar, wurde die Emission um 50 MillionenRubel erhöht, im März, Mai, Juni, zweimal im August und schließlich AnfangSeptember erfolgten weitere Erhöhungen um je 20 Millionen Rubel, so daß der
70»