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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seile des russisch javanischen Krieges.

Gesamtbetrag der Emission seit dem Kriegsausbruch um insgesamt 170 MillionenRubel erhöht worden ist und jetzt 300 Millionen Rubel beträgt.

Mit dieser Veränderung hat es folgende Bewandtnis. Der nnterNoten-emission" angegebene Betrag des russischen Bankansweises ist nicht identisch mit demBetrag der tatsächlich in Verkehr gesetzten Noten, der Notenzirkulation, sondern erenthält zugleich die Kassenbestände der Zentrale uud der Filialen der Rcichsbank anihren eigenen Noten sowie die Bestände der als Agenturen der Bank fungierendenlokalen Renteien. Diese in den Bankausweisen nnter den Aktiven aufgeführten Be-stände müssen zur Feststellung der in Verkehr gesetzten Noten von dem PassivpostenNotenemission" abgesetzt werden. Der so berechnete Notenumlauf ergibt für die Zeitvom 1/14. Januar bis 1./14. September eine Steigerung von 578,7 ans 749,4 MillionenRubel, also eine Erhöhung um 170,7 Millionen Rubel.

Dieser Vermehrung der Notenausgabe stand jedoch eine Zunahme des Metall-bestandes der Bank gegenüber: der gesamte, in den Bankkassen selbst vorhandeneMetallvorrat (Gold und Silber) ist in der angegebenen Zeit von 806,6 auf935,6 Millionen Rubel gestiegen, der Goldvorrat allein hat sich von 732,9 auf854,5 Millionen Rubel, also um 121.6 Millionen Rubel, erhöht. Daraus folgt,daß sich für den inneren russischen Geldumlanf weniger eine Vermehrung der Gesamt-zirkulation um die neuen Noten ergeben hat, als eine Verschiebung in der Zu-sammensetzung des Geldumlaufs nach Metall und Banknoten: es ist aus dem VerkehrGold in die Bank geflossen, gegen das der Verkehr Noten aus -der Bank entnommenhat. Das ist die Erklärung, wie sie Anfang August iu einer von der Bank selbstausgehenden Mitteilung") für die Äuderuugen im Bankstatus während der erstenHälfte des Jahres 1904 gegeben worden ist. Im ersten Semester 1904 betrug dieZunahme der Notenzirkulatiou 110,6 Millionen Rubel, der eine Vermehrung desGoldvorrats um 105,9 Millionen Rubel gegenüberstand; von diesen 105,9 Millionensollen der Bank nack ihren Angaben 94,9 Millionen aus dem freien Verkehr zugeflossensein, der Rest soll aus Ankäufen ans der russischen Goldproduktiou stammen. DieBank berechnet für das erste Halbjahr 1904 folgende Verschiebung im freien Geldumlauf:

1. Januar 1904 1. Juli 1904

Metallische Zirkulation....... 90k,8 793,3

Notenumlauf....... , , . . 578,7 _ K89.3

Gesanitzirkulation......... 1485.5 1482F

Verhältnis des MetnllumlaufS zur Gesanit-zirkulation ........... (it,0 53,5

Wie weit sich diese merkwürdige Verschiebung im Geldumlauf von selbst voll-zogen hat, wie weit sie durch künstliche Maßnahmen herbeigeführt worden ist, entziehtsich der Beurteilung. Sicher ist jedenfalls, daß die eingetretene Verschiebung vomStandpunkt der russischen Finanzvcrwaltung nur erwünscht sein kann: Das im freienUmlauf über Millionen von Kassen und Taschen zerstreute Gold ist für die Zweckedes Krieges nicht entfernt in derselben Weise greifbar und verwendbar, wie das Gold

) Bergt.Bert. Börsen-Courier" vom 15. August 1904.