Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges. 1031
in den Kassen der Bank; eine Konzentration des in der Zirkulation befindlichen Goldesin den Bankkassen ist gewissermaßen eine Mobilmachung des zirkulierenden Geldes.
Ferner ist daran nicht zn zweifeln, daß einer großen Zentralbank Mittel zurVerfügung stehen, um die Verteilung des Geldumlaufs auf die einzelnen Arten vonUmlaufsmitteln zu beeinflussen; sie hat es vor allem innerhalb sehr weiter Grenzenin der Hand, ihre Auszahlungen in denjenigen Geldsorten zu leisten, die sie in Verkehrbringen will. Die russische Neichsbank hat von dieser Möglichkeit der Beeinflussungdes Geldverkehrs in großem Umfange Gebrauch gemacht, als es sich bei der Einführungder Goldwährung darnm handelte, den seit vielen Jahrzehnten an Papierscheinegewöhnten Verkehr allmählich mit Goldgeld zn sättigen. Aber gerade die Hartnäckigkeit,mit der das Publikum die gewohnten Papierscheine dem neuen Metallgeld vorzog,läßt vielleicht darauf schließen, daß es keiner besonderen Anstrengungen seitens der Bankbedurft haben wird, um Gold gegen Noten aus dem Verkehr zu ziehen. Ferner habenrussische Zeitungen hervorgehoben, daß der im fernen Osten zu führende Krieg ganz vonselbst die Nachfrage nach Kreditbilleten an Stelle der Nachfrage nach Metallgeld steigernmüsse, und zwar infolge der größeren Bequemlichkeit, welche die Noten für den Trans-port bieten; die Bank habe um so weniger Grund, sich der Bevorzugung der Kredit-billette zu widersetzen, als es für sie weit einfacher und billiger sei, die Truppenteileund die Renteien der aktiven Armee mit Kreditbilleten als mit Gold zu versorgen.")
So interessant jedoch die in den Bankkassen und im freien Verkehr vor-gegangene Verschiebung ist und so vollständig auch auf den ersten Blick — wenigstensfür das erste Halbjahr 1904 — die weitgehende Übereinstimmung in der Erhöhungdes effektiven Goldbestandes der Bank und der Notenemission die Tatsache der ver-mehrten Notenausgabe zu erklären scheint, so kann doch aus der Verschiebungdieser beiden Posten allein ein Urteil über die etwaige Inanspruchnahme der Bankfür die Kriegsbedürfnisse nicht gefällt werden. Zu diesem Zweck sind vielmehrdie Verschiebungen der übrigen Posten des Bankausweises, insbesondere in demBestand der Bank an Goldwechseln auf das Ausland und in ihren auswärtigen Gold-guthaben, ferner in ihrer Kreditgewährung an Private, mit zu berücksichtigen. DerBestand der Bank an auswärtigen Goldwechseln und Goldguthaben betrug am1./14. Januar 190-1 169,1 Millionen Rubel, ging bis zum 16./29. Mai auf39,9 Millionen herab, betrug am 1./14. Juli 100,0 Millionen nnd am 1./14. Sep-tember 105,4 Millionen Rnbel. Die Abnahme stellt sich also für die Zeit vom1./14. Januar bis 1./14. Juli auf 69,1 Millionen und bis zum 1./I4. September auf
63.7 Millionen. Dadurch wird die Zunahme des Gesamtbestandes der Bank an Gold undsofort realisierbaren Goldforderungen beträchtlich reduziert; für das erste Halbjahr ergibtsich nur ein Zuwachs um 36,8 Millionen, bis zum 1./14. September ein Zuwachs umetwa 57,9 Millionen Rnbel. Das bedeutet bei der Vermehrung der Notenzirkulation um110,6 bezw. 170,7 Millionen Rnbel, daß seit dem Jahresanfang bisher im ganzen etwa
73.8 bezw. 112,8 Millionen Rubel über die gleichzeitigen Goldeingänge hinaus emittiertworden sind. Diese Mehransgabe findet ihre Erklärung nicht etwa in einer Steigerungder an Private gewährten Kredite oder in einer Verminderung der von Privaten bei
*) „St. Petersburger Zeitung" vom 9. Juli 1904.