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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges.

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guthaben der Reichsrentei war das natürlich nur dadurch möglich, daß das Guthabenaus dem Erlös der Anleihe von Zeit zu Zeit aufgefüllt wurde. Die russische Finanz-verwaltung hat mithin in der Tat bisher keine außerordentlichen Ansprüche an dieBank gestellt. Der Status der Bank ist zur Zeit noch ein ungewöhnlich starker und weisttrotz der erheblichen Vermehrung derNotenausgabe keine irgendwie bedenkliche Abschwächunggegenüber dem Stande zu Anfang des Jahres auf. Ihr Bestand an Gold und sofortrealisierbaren Goldforderungen beträgt ungefähr 960 Millionen Rubel, also mehr als2 Milliarden Mark, und die Notenausgabe kann innerhalb der bankgesetzlichen Be-stimmungen noch um etwa 520 Millionen Rubel, das sind etwa 1120 MillionenMark, gesteigert werden. Auch bei einer Steigerung der Notenausgabe um den vollengesetzlich zulässigen Betrag würde sich bei dem gegenwärtigen Goldbestand noch eineGolddeckung von etwa 75 Prozent ergeben, während z. B. bei der deutschen Reichs-bank eine Mindestdeckung von nur 33 ^/z Prozent durch Bargeld (Gold, Taler,Scheidemünzen und Reichskassenscheine) vorgeschrieben ist und während die tatsächlicheGolddeckung der von der deutschen Reichsbank ausgegebenen Noten im Durchschnittdes Jahres 1903 nicht viel mehr als 50 Prozent betrug. Außerdem ist zu berück-sichtigen, daß abgesehen von den Goldbeständen der Bank die Reichsrentei erheblicheSummen in Gold und Goldforderungen zu ihrer unmittelbaren Verfügung hat. Dieservon dem Goldvorrat der Bank unabhängige Goldschatz wurde in einer offiziösen Mit-teilung für den 1./14. August auf 272,25 Millionen Rnbel beziffert (St. Peters-burger Zeitung" vom 10. September 1904).

Ganz abgesehen davon, daß der Krieg Rußland bisher eine im Verhältnis zuseiner gesamten Staatsschuld und zu den Beträgen seines Staatshaushalts nur mäßigeVermehrung der Staatsschuld gebracht hat und daß Rußland bisher eine Vermehrungder Staatseinnahmen durch Kriegssteuern usw. nicht versucht hat, daß ferner aus derPariser Anleihe dem Staatsschatz mindestens noch sehr erhebliche Summen im Auslandeunmittelbar zur Verfügung stehen müssen, besitzt mithin die russische Ainanzverwaltungin dem Goldbestand und dem Notenrecht der Bank einen Rückhalt von besondererStärke, der insbesondere geeignet erscheint, der Regierung über etwaige vorüber-gehende Schwierigkeiten bei der Aufbringung der für den Krieg erforderlichen Mittelhinwegzuhelfen.

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Betrachten wir nunmehr die bisherigen finanziellen Kriegsmaßnahmen Japans .

Das Budget für 1903/04 (ordentlicher und außerordentlicher Etat) hatte dieEinnahmen auf 251,7 Millionen, die Ausgaben auf 2448 Millionen Den veranschlagt.Die Staatsschuld wurde für Ende März 1903 auf 559,6 Millionen Den beziffert;sie hatte sich seit 1895 um 264 Millionen Mn oder etwa 80 Prozent vermehrt.Abgesehen von einigen Spezialfonds, die eventuell zur Deckung eines bescheidenen Teilsder Kriegskosten herangezogen werden könnten, standen der japanischen Regierung bereiteBestände nach Art des freien Barbestandes der russischen Reichsrentei nicht zur Ver-fügung. Die Bank von Japan verfügte nach ihrem ersten im Jahre 1904 publiziertenAusweis (9. Januar) über einen Goldbestand von 115,7 Millionen Jen, dem ein