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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanische» Krieges.

das bedeutete eine effektive Verzinsung von 4,7 Prozent, während jetzt der japanische Staat sich eine Zinsbelastung von etwa 7^/s Prozent gefallen lassen mußte. Einbesseres Resultat war nicht zu erzielen, obwohl die auf dem Londoner Markte in jenerZeit nicht minder wie in Paris herrschende Geldflüssigkeit der Unterbringung der An-leihe sehr zu statten kommen mußte. Der Privatdiskont auf dem Londoner Marktebetrug im Mai 1904 durchschnittlich nur 2,07 Prozent gegen 3,44 Prozent imMai 1903 und 2,80 Prozent im Mai l902; am 19. Mai 1904 wurde der Privat-diskont sogar nur mit 1^/i« Prozent notiert. Die hohe Verzinsung der japanischenAnleihe hat bei der Flüssigkeit des Geldmarktes allerdings ihre Wirkung auf dieSpekulationslust nicht verfehlt; als die Anleihe am 12. Mai zur öffentlichen Zeichnungausgelegt wurde, fand sie reißenden Absatz und wurde dreißigmal überzeichnet. Denganz großen Zeichnern soll nur ein Sechzigste! des subskribierten Betrages zugeteiltworden sein. Nach demEconomist " wurde auf der Londoner Börse vielfach bedauert,daß Japan nicht die ganze Anleihe auf dem Londoner Markte zur Begebung gebrachthabe, der wohl schwerlich ein zweites Mal einer japanischen Emission eine so enthu-siastische Aufnahme bereiten werde.

In Japan selbst scheint man über die harten Bedingungen, die man sich inLondon und New-Iork diktieren lassen mußte, nichts weniger als erfreut gewesen zusein; diese Bedingungen haben jedenfalls dazu beigetragen, daß die japanische Finanz-verwaltung eine abermalige Inanspruchnahme des internationalen Geldmarktes solange wieirgend möglich zu vermeiden sucht. Anderseits war offenbar auch durch die Sterling-anleihe der Geldbedarf für den Krieg nicht ausreichend gedeckt; denn alsbald nach derEmission der Sterlinganleihe wurde gemeldet, daß Japan abermals eine innere Anleiheim Betrage von 100 Millionen Jen aufzunehmen gedenke. In der Tat erfolgte imJuni in Tokio die Ausgabe eines solchen Betrages in 5prozentigen Schatzscheinen,deren Rückzahlung innerhalb von 7 Jahren erfolgen soll. Der Begebungskurs wurdeauf 92 festgesetzt, also nicht viel niedriger als der Begebungskurs der Londoner öprozcntigenSchatzscheine. Nimmt man hinzu, daß bei der Sterlinganleihe das bei einer aufjapanische Währung lautenden Anleihe vorhandene Valutarisiko ausgeschaltet ist, so stelltsich eine so große Differenz in der effektiven Verzinsung der beiden rasch nacheinanderausgegebenen Anleihen heraus, daß jede Beteiligung des ausländischen Kapitals an derJunianleihe ausgeschlossen sein mußte. Gleichwohl wurde auch diese Anleihe mehr alsdreimal überzeichnet.

Seither hat Japan eine weitere öffentliche Anleihe nicht aufgenommen: dieim Juli aufgetauchten Gerüchte, daß Japan sich abermals an den internationalen Geld-markt wenden wolle, und zwar mit einer Anleihe, deren Dienst durch ein Kampfer-monopol sichergestellt werden solle, haben sich bisher nicht bewahrheitet.

Insgesamt hat also Japan für die Kriegszwecke bisher Schatzscheine im rundenBetrage von 300 Millionen Jen ausgegeben, so daß von den im März bewilligtenAnleihekrediten noch 80 Millionen zu realisieren bleiben.")

*) Nach Abschluß dieser Arbeit wird gemeldet, daß Japan eine neue Anleihe von 8V MillionenDen auf dem inländischen Markt begeben will. Damit wäre der Nest der im März 1904 bewilligtenKredite, die bis Ende März 1905 ausreichen sollten, erschöpst. Gleichzeitig soll die Regierung dieim vergangenen März vom Parlament abgelehnte Salzsteuer erneut in Vorschlag gebracht haben.