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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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1089
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Die finnnziclle Seite des russisch-japanijchen Krieges. 4089

Japan hat sich bei der Geldbeschaffung bisher desselben Mittels bedient, dasauch Rußland sowohl bei seiner äußeren als auch seiner inneren Anleihe angewendethat: der Begebung von Schatzscheinen, die durch eine relativ hohe Verzinsung deraugenblicklichen Lage Rechnung tragen, ohne den Staat für eine lange Reihe vonJahren über die Kriegszeiten hinaus mit dem jetzt zu gewährenden Zinszuschlag zubelasten. Japan hat sich dabei wesentlich ungünstigere Bedingungen gefallen lassenmüssen als Rußland. Die von Rußland auf dem inneren Markte zu Pari begebencn,mit 3,6 Prozent verzinslichen Renteibillette können allerdings wegen ihres geldähn-lichcn Charakters mit den inneren Anleihen Japans , die bei 5prozentiger Verzinsungzu einem Kurs von 95 und 92 aufgelegt wurden, nicht verglichen werden. Wasdagegen die auswärtigen Anleihen betrifft, so hat Rußland einen Betrag von etwa648 Millionen Mark gegen eine effektive Verzinsung von nicht ganz 6 Prozent fürfünf Jahre untergebracht, während Japan , um einen Betrag von etwas über200 Millionen Mark unterzubringen, für sieben Jahre eine etwa 7Vsprozentige effektiveVerzinsung zugestehen mußte.

Der Gesamtbetrag der öffentlichen Anleihen Japans ist durch die neuen seitdem Kriegsausbruch kontrahierten Schulden von etwa 560 Millionen auf 860 MillionenJen erhöht worden, also um ungefähr 54 Prozent. Gegenüber dem Stand von 1895haben die Kriegsanleihen die japanische Staatsschuld nahezu auf den dreifachen Betraggebracht. Die Zinsen für die neuen Anleihen belasten Japan mit jährlich 16 MillionenJen, einem Betrag, der immerhin etwas über 7 Prozent des für 1904/05 aufgestelltengewöhnlichen Jahresbudgets ausmacht. Die Mehrbelastung erscheint besonders schwer,wenn man Japans Gegner zum Vergleich heranzieht. Rußland hat bisher für denKrieg Anleihen im Betrage von 450 Millionen Rubel aufgenommen, also eine mehrals anderthalbmal so große Summe als Japan ; aber dieser größere Betrag hat dierussische Staatsschuld knapp um 7 Prozent vermehrt, und die Zinsen für die neuenAnleihen machen nur etwa 1 Prozent der gesamten Staatsausgaben aus.

Bei der schweren Belastung, die Japan sich genötigt sieht, seiner Bevölkerungdurch die Kriegssteuern uud seinen Finanzen durch die neuen Schulden aufzuerlegen,mußte die Versuchung eines Zurückgreifens auf den Goldvorrat und das Notenrcchtder Bank von Japan von Anfang an besonders stark sein. Anderseits mußte derkeineswegs glänzende Stand der Bank von Japan und das starke Überwiegen derPapierzirkulation im freien Verkehr gegenüber dem Golde der japanischen Finanz-verwaltnng in ihren Beziehungen zur Bank eine besondere Vorsicht auferlegen.

Eine Prüfung der Wochenausweise der Bank von Japan ergibt nuu, daß dieBank im bisherigen Verlauf des Krieges zeitweise bereits in starkem Umfang für dieDeckung der Geldbedürfnisse des Staates herangezogen worden ist. Die Tatsache prägt sichin allerdings nur geringem Umfang aus in der Bewegung der bei der Bank stehendenöffentlichen Guthaben, dafür aber um so stärker in dem PostenDarlehen an den Staat".

Der Bestand der öffentlichen Guthaben betrug im Durchschnitt des Jahres 190319,9 Millionen Jen; der erste Ausweis des Jahres 1904 (9. Januar) bezifferte ihrenBestand auf 15,5 Millionen Den; die folgenden Wochen brachten bis zum Kriegs-ausbruch eine geringfügige Steigerung, dann eine Abnahme bis auf 9,6 Millionen Jen