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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des nissisch japanischen Äncqes,

Japan hat also im bisherigen Verlauf der Dinge seine Zentralbank sehrstark Zur Deckung des Geldbedarfs für den Krieg herangezogen, zeitweise bis nahe andie Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Durch die auswärtige Anleihe ist vom Juni aneine erhebliche Erleichterung geschaffen worden. Sobald jedoch die Japan im Auslandzur Verfügung stehenden Guthaben zur Neige gehen, wird zweifellos der Stand derBank von Japan aufs neue eine beträchtliche Verschlechterung erfahren. Japan wirddann vor dem Dilemma einer neuen Auslandsanleihe oder der Erschöpfung der Gold-reserve seiner Zentralbank und damit der Preisgabe seiner Valuta stehen. Wie geringdie in dem Goldvorrat der Bank von Japan bestehende letzte finanzielle Reserve ist,ergibt die Vergleichung mit Rußland : Der Goldbestand der Bank von Japan beträgtnur etwa 24V Millionen Mark, während derjenige der russischen Reichsbank2 Milliarden Mark überschreitet; dabei steht dem mehr als achtmal größeren Gold-bestand der russischen Bank nur ein etwa 3Vz mal so großer Notenumlauf, wie beider Bank von Japan, gegenüber.

Diese ungleich stärkere Belastung der Zentralbank zeigt fast noch mehr alsdie beträchtlichen Steuererhöhungen und die im Verhältnis zum Jahresbudget enormeVermehrung der Staatsschulden, wie Japan nicht nur iu rein militärischer, sondernanch in finanzieller Beziehung gegen den stärkeren Gegner unter Einsetzung allerReserven zu kämpfen genötigt ist.

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Wir haben bisher die finanziellen Aktionen der beiden kriegführenden Mächtedargestellt. Diese Schilderung ist nunmehr noch zu ergänzen durch eine Untersuchungder bisherigen Rückwirkungen des Krieges sowohl auf die Geld- und Kreditverhältnisseder beiden unmittelbar beteiligten Staaten als auch auf die Lage des internationalenGeld- und Kapitalmarktes. Die Rückwirkungen nach der erstbczeichnetcn Richtung sindvon unmittelbarer Bedeutung für den weiteren Gang der finanziellen Kriegführung;bei den Rückwirkungen auf den internationalen Geldmarkt haben wir es mit Vorgängenzu tun, die allgemein nationalökonomisch ein großes Interesse bieten, die jedoch füruns in dieser Untersuchung wegen ihrer mittelbaren Bedeutung für die finanziellenOperationen der kriegführenden Mächte von besonderer Wichtigkeit sind. Eine er-schöpfende Untersuchung ist natürlich im gegenwärtigen Stadium ausgeschlossen; eskann nur eine Zeichnung mit wenigen Strichen in Betracht kommen.

Bei der Untersuchung der Wirkungen des Krieges auf die Geld- und Kredit-verhältnisse der beteiligten Staaten haben wir zu unterscheiden zwischen dem öffent-lichen Kredit und dem privaten Geld- und Kreditverkehr. Soweit wir den Ein-fluß des Krieges auf den öffentlichen Kredit beurteilen wollen, haben wir unserAugenmerk vor allem zu richten ans die Kurse der Staatsanleihen und das Verhaltender Valuta.

Über die Kursbewegungen der Anleihen beider Staaten, wie sie sich bisherunter dem Einfluß des Krieges vollzogen haben, gibt folgende ZusammenstellungAuskunft: