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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges.

Papiere eine leichte Besserung, vom Juni an bis heute hielten sich die Kurse der4 prozentigen Anleihe zwischen 90,20 und 92,10; die Japaner setzten ihre Kursbesserungbis auf Mitte Juni fort, konnten dieses Niveau aber nicht behaupten undschwankten in den folgenden Monaten zwischen 72 V» und 76. Heute, nach derSchlacht bei Liauyang, stehen die Russen auf 9l,40, die Japaner auf 72. (Kursvom 13. September.)

Die Japaner haben es ausschließlich ihren militärischen Erfolgen zu danken,daß das Kursniveau ihrer Papiere heute ungefähr dasselbe ist, wie Ende Januar,während die russischen Staatsanleihen seit jener Zeit eine Kurseinbuße von etwa6^2 Prozent erfahren haben. Vergleicht man aber den heutigen Kursstand mit dem-jenigen vor der akuten Zuspitzung der Kriegsgefahr, dann ergibt sich für die Japaner,trotz ihrer Waffenerfolge, eine Kurseinbuße um etwa ein Siebentel (von 84 auf 72),für die Russen dagegen eine solche um nicht ganz ein Zwölftel (von 99,50 auf 91,40).

Die Erklärung für diese dem bisherigen Gang des Feldzuges widersprechendeHaltung des Staatskredits der beiden Mächte mag zum Teil darin liegen, daß trotzder bisherigen Siege der japanischen Flotte und des japanischen Heeres die Über-zeugung von dem schließlichen Durchbruch der militärischen Überlegenheit Rußlands eine weit verbreitete ist. Jedenfalls aber ist der hauptsächlichste Grund, daß dasVertrauen in die finanzielle Leistungsfähigkeit Rußlands ein stärkeres ist, als in dieFinanzkraft Japans. Man weiß, daß Rußland mit geordneten Finanzverhältnissen inden Krieg eingetreten ist und heute noch über sehr erhebliche finanzielle Reserven ver-fügt, während Japan schon in den Jahren der Kriegsvorbereitung seine Finanzkraftsehr stark hat anspannen müssen; man rechnet damit, daß Rußland schlimmstenfallsauch einen unglücklichen Krieg würde ertragen können, ohne deshalb finanziell zusammen-brechen zu müssen, während für Japan ein unglücklicher Ausgang des Feldzugs alsgleichbedeutend mit dem finanziellen Ruin angesehen wird. Das zeigt sich charakteristischbei der Wirkung der einzelnen militärischen Vorgänge auf die Kurse der beiderseitigenStaatspapiere. Die Schlacht bei Liauyang und ihr Ausgang haben die Kurse derrussischen Papiere unberührt gelassen, ja es ist sogar vom 27. August bis zum13. September eine Steigerung von 91 auf 91,40 eingetreten; die japanische 4prozentigeAnleihe dagegen ist von 74^8 am 27. August zunächst auf 75°/8 am 2. und 3. Sep-tember gestiegen, dann aber auf die Nachricht, daß es nicht gelungen war, der russischenArmee den Rückzug abzuschneiden, bis auf 72 am 13. September herabgegangen. DieWirkung eines unbestreitbar großen militärischen Erfolges auf den japanischen Staats-kredit trat also in einem Kursrückgang der japanischen Staatspapiere zutage, offenbarbloß deshalb, weil dieser Erfolg nicht geradezu vernichtend für die russische Armee warund weil er die Beendigung des Krieges abermals in die Ferne rückt, wodurch dieZweifel daran, wie lang Japan finanziell leistungsfähig bleiben wird, verstärkt wordensind. Unwillkürlich drängt sich die Frage auf: wie würde der japanische Staatskreditdurch eine Niederlage der japanischen Waffen betroffen werden?

Zu den geschilderten Verhältnissen mag freilich noch hinzukommen, daß dierussische Finanzverwaltung mit den großen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln imbisherigen Verlauf des Krieges in der Lage war, in kritischen Momenten auf demMarkte zu intervenieren und durch Rückkäufe den Kurs ihrer Anleihen zu halten.