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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges.

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betroffen wurde als Japan, so verfügt anderseits Rußland über eine stark aktiveHandelsbilanz, während Japan , wie wir gesehen haben, seit längerer Zeit Jahr fürJahr einen beträchtlichen Einfuhrüberschuß an das Ausland zu bezahlen hat.

Wichtig für die Beurteilung des Verhaltens der Valuta sind jedoch in solchenFällen nicht nur die Richtung und Große der Kursschwankungen, sondern auch diebegleitenden Umstände, unter denen sich die Schwankungen vollziehen; in diesem Punkteliegt ein wesentlicher Unterschied zwischen Rußland und Japan vor. Wir haben bereitsgesehen, daß Japan sich genötigt sah, zur Begleichung seiner Zahlungsverpflichtungenan das Ausland ein für die Verhältnisse seines Geldumlaufs beträchtliches Quantumvon Gold zu exportieren, mindestens ein Viertel des gesamten monetären Goldvorratesdes Landes, und daß insbesondere der Stand der Bank von Japan dadurch zeitweiseeine sehr bedenkliche Verschlechterung erfahren hat. Nußland dagegen hat allem Anscheinnach dem außergewöhnlichen Bedarf an Zahlungsmitteln für das Ausland genügen können,ohne überhaupt irgendwelches Gold zu exportieren. Die Reichsbank und Reichsrenteihaben sich für ihre eigenen Zahlungen an das Ausland der von ihnen dort unter-haltenen Guthaben bedient uud außerdem auf Grund dieser Guthaben dem russischen Geldmarkt erhebliche Beträge in Wechseln auf das Ausland zu den normalen Preisenzur Verfügung gestellt. Die Reichsbank ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen.Als nach dem Ausbruch des Krieges eine Nachfrage nach Zahlungsmitteln für dasAusland (Schecks und Wechsel) zu späteren Terminen hervortrat, da die mit dem Aus-land in Verkehrsbeziehungen stehende Geschäftswelt sich durch solche Zeitkäufe fremderDevisen gegenüber etwaigen Schwankungen der russischen Valuta zu decken suchte, hatdie Reichsbank sich auch zu Terminverkäufen in fremden Valuten bereit erklärt. VonMitte Februar an verkaufte sie Schecks auf Berlin auf Lieferung zum Satze von46,30 Rubel pro 100 Mark (entsprechend 215,98 Mark pro 100 Rubel) zuzüglich1 Promille für jedeu Monat.-) Die Tatsache, daß die russische Regierung durchsolche Transaktionen die Bewegungen ihrer Valuta innerhalb der engsten Grenzenhalten konnte, während Japan dem gleichen Zweck mit geringerem Erfolg einen erheb-lichen Teil seiner Goldreserve opfern mußte, ist ein charakteristisches Zeichen für dasfinanzielle Stärkeverhältnis der beiden kriegführenden Parteien.

Inzwischen hat Japan sich durch seine Sterlinganleihe gleichfalls ein erheblichesAuslandsguthaben geschaffen und damit für einige Zeit die Grundlagen seiner Valutagefestigt; ebenso hat Rußland durch seine Pariser Anleihe seine Auslandsguthaben be-trächtlich verstärkt. Für das künftige Schicksal sowohl der russischen als auch ins-besondere der japanischen Währung hat jedoch neben den etwa noch vorzunehmendenAnleihe-Operationen die Gestaltung der Handelsbilanz einige Bedeutung; für Japan deshalb in besonderem Maße, weil hier die Fundierung der Valuta durch Auslands-guthaben eine geringere ist als bei Rußland, und weil Japan auch im weiteren Ver-laufe des Krieges kaum in der Lage sein wird, im gleichen Umfang wie Rußland eine Auslandsguthaben durch neue Anleihen zu verstärken. Nun wurde bereits hervor-gehoben, daß der Krieg die Tendenz hat, die Einfuhr der beteiligten Staaten zu ver-größern und ihre Ausfuhr einzuschränken. Diese Wirkung ist in der Tat in vollem

*) Vergl.Frankfurter Zeitung" vom 23. Februar 1904, 1. Morgenblatt .