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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges.

Umfang in Rußland hervorgetreten, wo in den ersten fünf Monaten des laufendenJahres gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres die Einfuhr um 23,2 MillionenRubel gestiegen, die Ausfuhr um 23,3 Millionen zurückgegangen ist. Die russische Handelsbilanz hat sich mithin um 46,5 Millionen verschlechtert, aber da in den erstenfünf Monaten des Vorjahrs der Ausfuhrüberschuß 111,7 Millionen Rubel betrug,ist auch in diesem Jahre immer noch ein Aktivsaldo in Höhe von 62,2 Millionenvorhanden. Bei Japan allerdings ist im ersten Halbjahr 1904 sowohl die Einfuhrals auch die Ausfuhr gegenüber dem gleichen Abschnitt des Vorjahrs gestiegen; aberwährend die Einfuhr um 17,1 Millionen Jen zugenommen hat, beträgt die Ver-mehrung der Ausfuhr nur 11,5 Millionen Jen; die Handelsbilanz hat sich mithinauch hier verschlechtert, wenn auch iu wesentlich geringerem Umfang als in Rußland .Es ist jedoch zu berücksichtigen, daß im Gegensatz zu Rußland , das seit Jahren regel-mäßig einen starken Ausfuhrüberschuß zu verzeichnen hat, die japanische Handelsbilanzschon im ersten Semester 1903 einen Passivsaldo von 40,1 Millionen Jen aufwies,der sich für das erste Halbjahr 1904 aus 45,7 Millionen gesteigert hat.

Schwieriger als die Einwirkung des Krieges auf deu öffentlichen Kredit derbeteiligten Mächte ist sein Einfluß auf die Gestaltung des privaten Geld- und Kredit-verkehrs festzustellen. Hinsichtlich dieser Sphäre fehlt es zu sehr an genauere» Nach-richten und objektiven Kriterien.

Die Lage des Geld- und Kapitalmarktes steht in einer weitgehenden Abhängig-keit von der allgemeinen Geschäftslage. Der Kreditbegehr pflegt im allgemeinen inZeiten geschäftlicher Depression zurückzugehen, und er steigert sich in Zeiten eines leb-haften Geschäftsgangs und einer Ausdehnung der produktiven Unternehmungen, ander-seits aber auch in gewissen kritischen Übergangszeiten, in denen die Unternehmungendurch die Unverkäuflichkeit ihrer Warenvorräte sich darauf angewiesen sehen, sich durcheine verstärkte Inanspruchnahme des Kredits die nötigen Mittel für die Fortsetzungihres Betriebs zu beschaffen. Dazu kommt in Zeiten der wirtschaftlichen und poli-tischen Unsicherheit die vorsichtige Zurückhaltung der Geldgeber. In Ländern mit einemhochentwickelten Kreditverkehr muß man deshalb damit rechnen, daß im Falle einesKrieges der Geldmarkt eine starke Anspannung zeigt und ein akuter Andrang desKreditbegehrs zu den großen Zentralbanken, den letzten Geldquellen der Volkswirtschaft,stattfindet, deren Kreditgewährung sich im Wege der Diskontierung von Wechseln undLombardierung von Wertpapieren und Waren beträchtlich ausdehnt; der weitere Ver-lauf mag mit der Einschränkung der Geschäfte ein allmähliches Nachlassen der An-spannung bringen.

Sowohl in Rußland als auch in Japan mußte der Krieg in zahlreichenZweigen der Industrie zu Stockungen führen; der Staat spielt in beiden Ländern alsAuftraggeber für die gesamte Industrie eine zu wichtige Rolle, als daß durch dieZurückstellung aller nicht absolut dringlichen öffentlichen Arbeiten und der sich darausergebenden Bestellungen nicht zahlreiche Unternehmungen schwer betroffen wordensein sollten. Dazu kommt die Entziehung von Arbeitern für die Armee und dieZurückhaltung der privaten Abnehmer sowie des privaten Kapitals. Freilich führtauf der andern Seite der Krieg einzelnen Unternehmungen zweifellos große und gewinn-