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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges.

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bringende Aufträge zu, aber dadurch kann seine ungünstige Gesamtwirkung auf dieVolkswirtschaft höchstens abgeschwächt, nicht aber völlig aufgehoben werden.

Es ist deshalb nicht erstaunlich, wenn man namentlich ans Rußland dieNachrichten über Japan fließen sehr spärlich über Geschäftsstockungen, Kredit-schwierigkeiten und Zahlungseinstellungen klagen hört. In Rußland äußerten sich dieseVerhältnisse in einer nicht unerheblichen Steigerung der Zinssätze. Die russische Reichsbank erhöhte am 13. Februar ihren offiziellen Diskoutsatz, der seit Mitte Fe-bruar 1902 unverändert aufProzent") gestanden hatte, auf 5^/2 6^/2Prozent, uud der Petersburger Marktdiskont wurde vom 23. Februar an mit 67'/sProzent notiert. Für Sibirien und Ostasien mußte ein Moratorium erlassen werden.Ferner hat sich die russische Reichsbank in Anbetracht der schwierigen Krcditverhält-nisse zu außergewöhnlichen Erleichterungen entschlossen. Um den Privatbanken, die ihreverfügbaren Mittel durch die Zurückziehung von Depositen stark beschränkt sahen, eineausgiebigere Kreditgewährung zu ermöglichen, hat sie die für diese Institute ausge-worfenen Kredite unter der Bedingung ausreichender Sicherheitsleistung erweitert; siehat ferner ihren Geschäftsstellen gestattet, den Privatbanken, die nicht über ein hinläng-lich großes Portefeuille kurzfristiger Wechsel verfügen, um sich durch deren Diskontierungausreichend mit flüssige» Mitteln zu versehen, auch Wechsel mit einer Laufzeit vondrei bis sechs Monaten zu diskontieren.-")

Dem westeuropäischen Beobachter muß es auffallen, daß trotzdem die Wechsel-uub Lombardanlage der russischen Reichsbank seit dem Beginn des Jahres nicht nurkeine Ausdehnung, sondern im Gegenteil eine Einschränkung erfahren hat.

Bei der russischen Reichsbank betrug die Wechsel- und Lombardanlage (inMillionen Rubel):

Wechselanlage

Lombardanlage

zusammen

im Durchschnitt des Jahres 1903

216.1

199.9

416,0

am 1./14. Januar 1904 ....

247,8

224,4

472,2

- 23. Februar/7. März 1904 .

267.0

217,3

484,3

- 1./14. Juli 1904 .....

195.7

194.4

390,1

- 1./14. September 1904. . .

182,5

206,1

388,6

Nach einer bis in den März hinein anhaltenden nicht sehr erheblichenSteigerung der Kreditgewährung der Bank ist mithin ein bis zum gegenwärtigenZeitpunkt beträchtlicher Rückgang, namentlich der Wechselanlage, eingetreten. Freilichdarf bei der Beurteilung dieser Ziffern der Umstand nicht vergessen werden, daß beider russischen Reichsbank in ähnlicher Weise wie bei den westeuropäischen Zentralbankendie Jahreswende der Zeitpunkt der größten Anspannung ist, auf den ein erheblicherRückfluß von Mitteln zu der Bank in Verbindung mit einer entsprechenden Ein-schränkung der Wechsel- und Lombardanlage zu folgen pflegt. Daß dieser Rückgang

*) Der Diskontsatz ist je nach der Laufzeit der Wechsel verschieden.**) Vergl. Volkswirtschastliche Chronik, Juni 1904, S. 450/451.