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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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1105
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Die finanzielle Seite des russisch japanischen Krieges. 1105

im Mai 1903, erst vom Juni an ging auch hier der Diskont unter das Niveau desVorjahres herab. Immerhin waren auch in Berlin die Diskontsätze in den vier erstenMonaten des laufenden Jahres keineswegs ungewöhnlich hoch.

Die Signatur des westeuropäischen Geldmarktes ist also in dem bisherigenVerlaufe des Krieges eine ausgesprochene Geldflüssigkeit in Paris und London und einverhältnismäßig leichter Geldstand in Berlin . Nichts erinnert an die Anspannung, wiesie zur Zeit des Transvaalkrieges oder auch nur zur Zeit des spanisch-amerikanischenKrieges bestand.

Gleichwohl wäre es voreilig, daraus zu folgern, daß der Krieg auf den Geld-markt bisher keinerlei Einfluß ausgeübt habe. Eine genauere Prüfung ergibt vielmehr,daß sich in gewissen Verschiebungen, vor allem in der Veränderung des Verhältnisseszwischen dem Berliner Marktdiskont und demjenigen der westlichen Plätze, sehr wohldie Einwirkungen des Krieges feststellen lassen. Aber freilich ist im großen ganzen derEinfluß des Krieges auf den Geldmarkt durch stärkere Tendenzen, die in einer ent-gegengesetzten Richtung wirkten, ausgeglichen worden.

Der Krieg brach aus zu einer Jahreszeit, die auf den westeuropäischenMärkten erfahrungsgemäß die größte Erleichterung des Geldstandes zu bringen pflegt.Die Zurückhaltung, welche der Krieg den Geldgebern und insbesondere den großenNotenbanken auferlegte, hat die übliche Verbilligung des Zinssatzes in London ver-zögert und in Berlin und Paris sogar zu einem zeitweisen Anziehen der Zinssätze ge-führt. Im Februar hat der Präsident der deutschen Reichsbank in einer Sitzung desZentralausschusses eine Ermäßigung des Diskontsatzes, wie sie unter anderen Umständenzweifellos vorgenommen worden wäre, in Hinblick auf die durch den Krieg notwendiggemachte Vorsicht für unmöglich und sogar eine Erhöhung für nicht ausgeschlossenerklärt. Berlin hatte zu Anfang des Jahres 1304 einen beträchtlich niedrigeren Markt-diskont als die übrigen westeuropäischen Plätze; die Folge war, daß Gelder vonDeutschland nach diesen anderen Plätzen gelegt wurden, um von den dort bestehendenhöheren Zinssätzen zu profitieren. Um dem Gvldexport einen Riegel vorzuschieben unddie verfügbaren Mittel für alle Eventualitäten dem deutschen Markte zu erhalten,nötigte die Reichsbank durch umfangreiche Rediskontierungen von Reichsschatzanweisungen,die sie damals in großen Beträgen übernommen hatte, den offenen Markt zu einerErhöhung seines Zinssatzes. Es ist wesentlich mit auf diese in Rücksicht auf den Krieggetroffene Maßnahme zurückzuführen, daß das Verhältnis von Berlin zu den übrigenGeldmärkten sich umkehrte und daß vom März an Berlin einen höheren Markt-diskont hatte als London und Paris .

Auch die Bank von England hat zweifellos nur in Hinblick auf den Krieg ihreDiskvntermäszigungen bis Mitte April hinausgeschoben.

Im zweiten Quartal haben dem Einfluß des Krieges umfangreiche Ver-schiffungen von Gold aus Amerika nach Europa, vor allem nach Frankreich , ent-gegengewirkt und in Verbindung mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage die Tendenzeiner Ermäßigung des Zinssatzes geschaffen. Im einzelnen jedoch ist die Gestaltungdes Geldmarktes durch die großen Finanzoperationen der beiden kriegführendenMächte in einer sehr interessanten Weise beeinflußt worden. Die Auflegung der