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japanischen Anleihe in London und noch beträchtlich mehr die Auflegung der russischen Anleihe in Paris haben zu einem starken Znsammenfluß von Geld an diesen Zentrengeführt, in erster Linie wohl dadurch, daß die englischen und französischen Geldgeberihre in anderen Ländern angelegten flüssigen Mittel zum Zwvck einer Beteiligung beiden Anleihen zurückzogen, zu einem kleineren Teil wohl auch durch eine unmittelbareBeteiligung fremden Kapitals an den Anleihen. Soweit Paris in Betracht kommt,mag die Geldflüssigkeit durch gewisse Operationen der russischen Finanzverwaltung nochkünstlich verstärkt worden sein. Man will wissen, daß die russische Finanzverwaltunges sehr gut verstehe, auf den westeuropäischen Geldmärkten das Wetter zu machen undim gegebenen Augenblick durch eine Konzentration ihrer Auslandsguthaben und dasAusleihen von Geld aus deren Beständen den Markt für die Aufnahme einer Anleihegünstig zu beeinflussen. Jedenfalls hat der Zusammenfluß von Geld in London undParis dort eine weitere Ermäßigung des Zinssatzes im Mai und Juni herbeigeführt,während der Berliner Markt im Mai abermals eine Verteuerung des Geldstandeserfuhr. Da die beiden kriegführenden Mächte ihre Auslandsanleihen in der Haupt-sache zu dem Zweck aufgenommen hatten, sich Mittel für die von ihnen im Laufe desKrieges im Auslande zu leistenden Zahlungen zu beschaffen, brauchte der Pariser undLondoner Markt keine plötzliche Entziehung der für die Anleihen aufgebrachten Gelderzu befürchten; sowohl Rußland als auch Japan hatten überdies ausdrücklich erklärt,daß sie den Erlös ihrer Anleihen in der Hauptsache im Auslande stehen lassen wollten.Die Einzahlungen auf die Anleihen vollzogen sich ohne merkliche Störungen des Geld-marktes, da die eingezahlten Beträge sofort wieder im Wege des kurzfristigen Kreditsdem Verkehr zur Verfügung gestellt wurden.
Nachdem die großen Finanzoperationen im Mai durchgeführt waren, habensich die in Paris und London augesammelten Gelder wieder gleichmäßig über deninternationalen Geldmarkt verteilt. Insbesondere Deutschland hat einen starken Zuflußvon Gold erhalten, der im Juni den Marktdiskont zeitweise bis auf 2^8 Prozent,in den folgenden beiden Monaten zeitweise bis auf 2^2 Prozent ermäßigte.
Seither sind die kriegführenden Staaten noch nicht wieder an den inter-nationalen Geldmarkt herangetreten. Trotz einzelner kleiner Verschiebungen, die teil-weise durch Dislokationen der russischen und japanischen Guthaben herbeigeführt wurden,ist der Geldstand im ganzen ein leichter geblieben. Am 10. September wurde derMarktdiskont in Berlin mit 2?/s Prozent, in London mit 2>/s Prozent, in Paris sogar nur mit 1^/t Prozent notiert, während im September 1903 die niedrigstenNotierungen in Berlin 3^/«, in London 2^8, in Paris 2'/-- Prozent gewesen waren.
Es ließe sich aus dieser auf den ersten Blick auffallenden Gestaltung der Geld-marktsverhältnisse für die Theorie des Geldes und des Kredits mancher interessanteSchluß ziehen; aber dazu ist hier nicht der Platz und außerdem wird auch in diesemPunkte die weitere Entwicklung abgewartet werden müssen. Für die vorliegendenUntersuchungen können wir uns mit dem Ergebnis begnügen, daß bisher durch denKrieg und die finanziellen Maßnahmen der beiden beteiligten Mächte die Entwicklungeiner bemerkenswerten Geldflüssigkeit auf dem internationalen Markte nicht verhindertworden ist. Diese Tatsache ist von Bedeutung nicht nur für die westeuropäischen