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Rede des Staatsministers Dr. Helfferich über die deutsche Volkskraft : geh. am 11. Okt. 1918 vor den Vertretern der Kriegsanleihe-Werbeorganisationen von Groß-Berlin und Brandenburg / [Karl] Helfferich
Entstehung
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rusenen Stellen einig sind in dem festen Willen, den Zeichnernder Kriegsanleihe gegenüber des Reiches Ehrenpflicht zu er-füllen, jede Verkürzung ihrer Rechte abzuwehren und ihnen, so-weit es angeht, Erleichterungen und Vergünstigungen zuschaffen.

Aber ich weiß auch, daß alle diese Einzelheiten nur kleineMittel sind, mit denen wir die finanzielle Schlacht nicht ent-scheidend schlagen. Entscheidend ist der Geist unseresVolkes.

Diesen Geist gilt es aufzurichten und mit neuer Zuversicht,mit neuer Entschlossenheit zu erfüllen.

So schwer die Zeit ist, das deutsche Volk hat in seinertausendjährigen Geschichte Schwereres durchgemacht. Es sindnoch nicht viel mehr als hundert Jahre, daß der französischeEroberer in Tilsit stand, daß Preußen und Deutschland fürewig zerbrochen und zerschmettert erschienen. In wenigenJahrzehnten hat unser Volk sich zu ungeahnter Höhe hervor-gearbeitet. Wodurch? Vor allem anderen durch die Energien,die gerade die Zeit der größten Not in ihm ausgelöst hat.Heute haben wir gegen eine nie gesehene Uebermacht von Fein-den ungebrochen standgehalten, kaum ein Feind steht auf deut-schem Boden, in Ost und West stehen unsere Heere weit inFeindesland, Und wenn wir auch im Westen hart von derUeberzahl der Menschen und der Kriegsmittel bedrängt werden sind wir geschlagen? Sind wir zu Boden geworfen? Habenwir Anlaß und Recht zu verzagen? Wir werden einen Frie-den bekommen, der manchen Traum zerstört. Aber wir wer-den davon bin ich durchdrungen keinen Frieden nehmen,der unsere Ehre und die Wurzeln unseres Daseins antastet.Unsere Feinde sollen wissen, daß wir lieberin Ehren untergehen, als in Schande ver-kümmern.

Also Kopf hoch, was immer kommen mag, sei es weiterer