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ja sie werden unterschreiben, daß wir Deutsche allein dieSchuldigen am Weltkrieg sind; daß wir als Verbrecher und Aus-sätzige nicht verdienen, in die Gemeinschaft der übrigen Völker aus-genommen zu werden; daß wir unwürdig sind, Kolonien zu ver-walten; daß wir uns verpflichten, unsern Kaiser als den angeblichenUrheber des Krieges an unsre Feinde auszuliefern, desgleichen allediejenigen Heerführer und Offiziere, Staatsmänner und Beamten,deren Auslieferung wegen angeblicher Verletzung der Gesetze undGebräuche des Kri-eges unsern Feinden gut scheinen wird — Hin-denburg wie den kleinsten U-BootSmann, einen Reichskanzler wieden kleinsten Schreiber, der irgendwo im besetzten Gebiet irgend-jemanden nicht gefallen hat!
Das alles' im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, wiesie Wilson dem deutschen Volke immer und immer wieder vorge-zaubert hat! Das alles aus Grund von Zusagen und Abmachun-gen, die unsrer sogenannten „Volksregierung" und unsern mißleite-ten Massen als eine hinreichende Sicherheit erschienen, um dieWaffen wegzuwerfen, das Heer zu zertrümmern und Deutschlands Schicksal wehrlos in die Hand rachsüchtiger, raffgieriger, grausamer,siegestrunkener, vernichtungstoller und wortbrüchiger Feinde zulegen!
Jetzt sind die Masken gefallen. Jetzt sieht auch der Blinde,daß die von Herrn Wilson verkündete Gerechtigkeit nichts ist alsbrutale Gewalt, als die Verdammnis des deutschen Volkes zu Hun-ger und Siechtum, zu Knechtschaft und Schande. Im Spiegelsaalzu Versailles wird Wilson über dem zusammengebrochenen, in denStaub gedemütigten Deutschland dem Geiste Ludwigs XIV . undEduards VII. die Hand reichen, um vollenden zu helfen, waskeiner von diesen beiden für sich allein, was Frankreich und Eng-land, Rußland und Italien zusammen mit dem ganzen Schwärmihrer Satelliten nicht zu vollbringen vermocht haben.
Die Würfel sind gefallen. Wir stehen dabei mit geballterFaust und blutendem Herzen, ohnmächtig, das Verhängnis abzu-wenden. Noch am 12. Mai haben drüben in der Aula zu Füßendes Bildnisses Johann Gottlieb Fichte's die Wort-führer unsrer sogenannten Regierung und der deutschen National-versammlung in großen Worten gelobt und geschworen, niemalswerde das deutsche Volk sich einem Frieden der Knechtschaft undSchande unterwerfen. Man hörte da aus dem Mund des Reichs-Minister-Präsidenten, des Herrn Scheidemann , den Fluch, daßdie Hand verdorren soll, die einen solchen Friedm unterschreibe. Unddie ganze Versammlung erhob sich in einer Kundgebung, die aus-sah wie heilige Entschlossenheit, lieber in Ehren zu sterben, alsin Schande zu leben. Sechs Wochen später, am 22. u. 23. Juni,