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Der Friede von Versailles / Rede an die akademische Jugend ... von Karl Helfferich
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dem moralischen Zusammenbruch Oesterreich -Ungarns, wie erin dem Kaiserories zum Ausdruck gekommen war, kündigte sich jetztin der Erzberger-Attion der m o r a l i! s ch e ZusammenbruchDeutschlands an. Nun brauchte man sich nicht weiter zu sor-gen und nicht weiter um Verständigung zu bemühen. Die noch kurzvorher von Frankreich erstrebten Aussprachen mit Vertrauensmänner«der Wiener und Berliner Regierung unterblieben. Dafür aber erklärteder englische Minister Carson am Tage nach der Annahme derFriedensresolution, daß Verhandlungen mit Deutschland erst möglichseien, wenn die deutschen Truppen hinter dem Rhein ständen; dafürwurde am 25. Juli 1917, also sechs Tage nach der deutschen Frie-densresolution, eine im britischen Unterhause von M c. D o n a l dund Trevclyan eingebrachte Friedensresolution mit 188 gegen19 Stimmen abgelehnt; dafür bekannte sich nun am 30. Juli HerrR ibot in der französischen Kammer offen zu der Forderung auchder Angtiederung des Saargebiets und der Errichtung eines links-rheinischen Pufferstaates; dafür zwang schließlich LlodGeorgeam 11. August den Arbeiterführer Henderson zum AusscheidenanH dem britischen Kabinett, weil dieser sich zugunsten der Beschickungder Stockholmer Friedenskonferenz durch Delegierte der britischen Ar-beiterschaft eingesetzt hatte.

Das war das glorreiche Ergebnis der Friedensjresolution nachAußen!

Nach Innen aber erzeugte und verbreitete die unseligeFriedensresolution" zunächst die erste starke Erschütterung des Glau-bens an unsere Sache und des Willens zum Durchhalten; danndie grundverkehrte Meinung, daß irgendwelche phantastischen Kriegs-ziele der Militärs,'der Regierung oder des Kaisers das wahre Frie-denshindernis seien, und daß der Reiä>stag, der im Gegensatzzu den Militärs, der Regierung und dem Kaiser friedliebende Reichs-tag! sich genötigt gesehen habe, die Sache des Friedens in seineHand zu nehmen. Sogar dieFriedensresolution" dem Kampf umden Frieden die Richtung nach innen, die Richtung gegen die Spitzendes Heeres und des Staates, gegenAlldeutsche " lindAnnexio-nisten", statt gegen die Feinde, deren nur nach völliger Niederwer-fung Deutschlands erreichbaren Kriegsziele das wahre und einzigeFriedenshindernis waren. DieFriedensresolution"brachte uns zwar nicht denFrieden nach außen,wohl aver den Kamp-f im Innern.

Mit welcher Ausrichtigkeit der Gesinnung und Treue der Ueber-zeugung der Kamps gegen dieAnnexionisten" undKriegsverlänge-rer" von Herrn Erzberger geführt wurde, das werden Sie er-messen können, wenn Sie einmal die Denkschrift über die Kriegsziele zurHand nehmen, die dieser selbe Mann im September 1914 den Spitzender politischen und militärischen Leitung eingereicht hat. Beschei-denheit war nie die Zier des Mannes aus Buttenhansen. Er ist