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auf sich selbst zu besinnen. Aber da ist alles geschehen, um die leh-ren Reste dieser Krast zu zertreten. Erst durch die Erzbergcr-BorHandlungen während des Waffenstillstan-des, die Stück für Stück von dem Wenigen preisgaben, was unsder WafsenstMftandsvertvag selbst noch gelassen hatte. Denken Sienur an die Auslieferung unserer Handelsflotte für ein LinsengerichtsDann dmch die Vorgänge während der Frieden slverhand-l u n g e n. Auf die unerhörten Friedensbedingungen vom 7. Mai,die im völligen Widerspruch zu den beim Abschluß dqs Waffenstill-standes von unseren Gegnern angenommenen WilsonsckM Punktenstanden, gab es nuir eine Antwort: die s o f o r t i g e A b r e r s eunserer Delegation aus Versailles und dieVorbereitung des äußersten Widerstandes.Unsere Delegation blieb friedlich hinter dem Stacheldraht von Trianon.Zwar proklamierten am 12. Mai Regierung' und Nationalversamm-lung das „Unannehmbar"; aber die „Unabhängige n" verkün-deten laut, „es muß unterschrieben werden!" und MatthiasErzberger zwinkerte mit den Augen- Unsere Feinde wußtenBescheid! Als es nun in diesen Tagen so weit war, daH wirvor dem brutalen Ja oder Nein standen, da fehlte dem deut-fchen Volke die moralische Kraft."
Kommilitionen! Am Versagen der moralischen Kraft ist unserVolk zusammengebrochen. Der Niedcrbruch darf nicht das Ende sein.Versailles , die Wiege des neuen deutschen Kaiserreichs, darf nichtzum Sarg des Deutschtums werden! Wir wollen leben, wollen alsDeutsche leben, wollen unserem Volke seinen Platz und sein Rechtunter den Nationen wieder erarbeiten und erkämpfen, wollen ihmdas Licht wieder bringen, das allein auch für die Völker der Erdedas Leben erst lebcnswert macht: die Aussicht auf Entwicklung undAusstieg, auf die Verwirklichung besserer Lebensbedingungen undeines höheren. Lebensinbalts und das Bewußtsein eines unveräußer-lichen Berufs im großen Fortschritt der Menschheit!
Am Versagen der moralischen Kraft ist unser Volk zusammen-gebrochen. Das weist uns den Weg. Wir müssen die sittlichenKräfte unseres Volkes wieder herstellen. Wir müssen die Wahn-ideen ausräuchern, die unsere moralische Kraft so verlMgnisvoll zer-stört und den Geist des deutschen Volkes von seinen hohen Idealenabgewandt haben. Wir müssen dem deutschen Volk seinen Glaubenan sich selbst zurückgeben und es vor sich selbst wieder ehrlich machen.Wir müssen vor allem die eine große Wahrheit wieder zu Ehrenbringen, die in der Leidenszeit von 1806 bis 1812 ein F i ch t e undein Schleiermacher nicht müde wurden zu verkünden, dieunser Volk von Jena nach Leipzig und W a t e r l o o, vonTilsit nach Paris geführt hat, — die Wahrheit, daß derEinzelne, die einzelne Perfon und der eiln-