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großen Menschheitsapostels und die ganze Kohorte von Ueverseiner-ten und Undeutschen, Schwachmütigen und Aufwieglern folgte ihm.Und als dann am 5. Oktober die Regierung des PrinzenMax unser Schicksal in die Hand des Erlösers der Mensch-heit gelegt hjatte, als er nun von Note zu Note immer deutlichersein wahres Gesicht zeig-te, als er schließlich unverhüllt aufsprach,daß es mit unserem Kaiser kein Verhandeln gebe, sondern nur mit„echten Vertretern des deutschen Volkes", als er verlangte, daß wiruns zum Zeichen unseres guten Willens wehrlos machen sollen,da war das Gift so weit eingesresssn, daßunser'Volk Revolution machte und daß unserHeer — daßgroße Teile unseres Heeres dieWaffen wegwarfen. Da ereigneten sich vor den Augmunserer staunenden und triumphierenden Feinde Szmen — ichdenke an Belgien und denke an Polen —, die eine ewig unaus-löschliche Schmach auf den bisher blanken Schild der deutschen Wehr-macht geworfen haben, Szenen, die — — lassen Sie mich darüberhinweggehen, es ist mir zu schwer, davon zu sprechen!— Es war so weit!
Wir hakten Wilson den Willen getan. Das deutsche Volt hattesich seines Kaisers entledigt, hatte die Monarchie gestiirzt und dieRepublik gemacht, hatte sein gutes Schwert zerbrochen, hatte sichselbst seinen Feinden überantwortet.
Wo sind nun alle die Versprechungen und Vorspiegelungen ge-blieben?
Wo ist die Menschlichkeit? — Sie heißt Strafe! —Wo ist die Gerechtigkeit? — Sie heißt Rache! —Wo ist unsere Gleichberechtigung? — Sie heißt Knechtschaft!—Und wo sind alle die Illusionen, die über Wilson hinaus unsereSozialisten und Pazifisten auf eigene Rechnung demdeutschen Volke gemacht haben? Wo ist die vielberusene internationaleSolidarität des Proletariats? Wo sind in England und Frankreich dieMassen, die aufstehen sollten, wenn die englische und französischeRegierung dem revolutionären deutschen Volke einen billigen undehrenvollen Frieden verweigert? Was hat sich in England und Frank-reich gerührt außer einem leisen Rauschen im sozialistischen Blätter-walde? Clemenceau und Llovd George, die einen Ge-waltfrieden ohne Gleichen nach Hause bringen, werden als Siegerund Triumphatoren umjubelt; und wmn ein kleines Häuflein aäst-barer Sonderlinge beiseite steht, in Trauer um das über alle Maßengeschändete Ideal der Völkerversöhnung, — ist das alles, was vonder internationalen Solidarität des Proletariats übrig geblieben ist?ist das der Völkorsturm, der die Weigerer eineS Verstälndigungsfrie-dens binwegsegen sollte?
Und trotzdem war nicht alles verloren, wenn das deutsche Volkdie Kraft hatte, die zerbrochene Illusion von sich zu werfen und sich