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Die Baumwollfrage : ein weltwirtschaftliches Problem / von Helfferich
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Die Baumwollfrage.

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können mithin nicht als das entscheidende Moment angesehen werden. Ein Mangel anLand, das für eine Ausdehnung der Baumwollkultur in den Südstaaten der Union inBetracht käme, liegt allerdings nicht vor; die Ansicht der Fachleute geht vielmehr dahin,daß die Bodenverhältnisse eine beträchtliche Ausdehnung der Baumwollkultur in den Ver-einigten Staaten erlauben würden. Aber zur Ausdehnung der Baumwollkultur scheintes vor allem an den notwendigen Arbeitskräften zu fehlen. Hutton erzählt inseinem Bericht, daß nach seinen Informationen in den Baumwolldistrikten zahlreicheArbeiter vom Land nach den Städten ziehen und daß, so günstig auch die Witterungsein mag, infolge des Mangels an Arbeitskräften auf zahlreichen Farmen die Baum-^, wolle so lange auf den Sträuchern bleibt, bis sie schließlich doch noch durch das Wetter

verdorben wird. Hutton führt auf diesen Arbeitermangel die Tatsache zurück, daßvor 5 Jahren auf einer Anbaufläche von 23 Millionen Acre ein Ertrag von11,25 Millionen Ballen Baumwolle erzielt wurde, während heute auf 28 MillionenAcre nur etwa 10^/z Millionen Ballen geerntet werden. Zu dem Arbeitermangelkommen jedoch noch andere Ursachen hinzu. Ich möchte in dieser Beziehung namentlichauf eine iuteressante Studie aufmerksam machen, die Mr. Daniel I. Sully, der bekannteLeiter der großen, im letzten Februar zusammengebrochenen Baumwoll-Hausse, in derNortk ^möi-i<Z3.ll Rsvisv, Februarheft 1904, veröffentlicht hat. Sully, dessen Be-streben in dem genannten Aufsatz dahingeht, die Behauptung zu widerlegen, daß dieSpekulation schuld sei an der starken Preiserhöhung der Baumwolle, und den Beweiszu erbringen, daß die Preiserhöhung dnrch natürliche Ursachen hervorgerufen seinennt folgende Gründe für die Preissteigerung:

1. Die Verschlechterung des Saatgutes, die dadurch herbeigeführt wordensei, daß die beste Saat an die Baumwollölmühlen verkauft werde, deren Agentenvorzugsweise den ersten, für die Saatzwecke tauglichsten Samen aufkauften.

2. Die durch die langjährige Baumwollkultur allmählich herbeigeführte Er-schöpfung des Bodens.

3. Die Verbreitung des Voll Weevil, eines gefährlichen Baumwollschädlings.

4. Die unzureichende Vergrößerung der Anbaufläche.Selbstverständlich sind die Ausführungen eines Haussespekulanten über die

natürlichen Gründe der Preisgestaltung mit Vorsicht aufzunehmen; aber im vor-liegenden Falle werden die Angaben Sullys in der Hauptsache auch von andererSeite bestätigt. Die Verschlechterung des Saatgutes und die Bodenerschöpfung tretenuns zudem auch in anderen Prodnktionsgebieten als eine unverkennbare Ursache fürdie Stockung in der Baumwollerzeugung entgegen. Vor allein aber steht fest, daß die? letzten Ernten bereits durch die rapide Ausbreitung des Voll Weevil in Mitleidenschaft

gezogen worden sind. Der Voll Weevil ist bisher fast ausschließlich in Texas auf-getreten. Welche Verringerung der Ernte er dort hervorgebracht hat, geht aus einervergleichenden Gegenüberstellung hervor, die sich in einer vom 17. 8. vsxmi-tiuslltherausgegebenen Publikation von W. D. Hunter*) findet. Dort sind

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