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Die Baumwollfrage : ein weltwirtschaftliches Problem / von Helfferich
Entstehung
Seite
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Die Baumwollsrage,

je zehn Landschaften gegenübergestellt, von denen die einen seit 1899 von dem VollWeevil befallen worden sind, die anderen nicht. Die Landschaften liegen nahe beiein-ander, so daß die klimatischen Bedingungen und die Witterungsverhältnisse die gleichensind. Verglichen wird der Ernteertag der beiden Jahre 1899 und 1902, die in bezngauf Regenfall und andere für die Ernte in Betracht kommende Verhältnisse mit ein-ander ungefähr übereinstimmten. Das Ergebnis der Begleichung ist, daß von 1899auf 1902 in den verseuchten Landschaften die Baumwollernte sich von 371 349 auf174 174 Ballen, also um 53 Prozent, vermindert hat, während sich die Ernte in denverschont gebliebenen Landschaften von 338 871 auf 379 611, also um 11 Prozent,vermehrt hat. Auch andere Angaben stimmen darüber überein, daß der Boll Weevildie Ertragsfähigkeit des befallenen Landes ungefähr um die Hälfte verringert. Derin Texas im Jahre 1903 durch den Boll Weevil verursachte Minderertragder Baumwollernte wird auf 740 000 Ballen, also auf etwa 7^/s Prozent derganzen amerikanischen Baumwollernte, geschätzt. Dazu kommt, daß der Boll Weevilsich unaufhaltsam über weitere Gebiete ausdehnt. Der Chef der entomologischenAbteilung des ^»rieulwral OsMitniellt, der Vereinigten Staaten , Mr. L. O.Howard,^) hält es für sicher, daß der Schädling sich über alle Baumwollgegendender Union ausbreiten werde; falls nicht energische Maßnahmen zur Bekämpfung er-griffen werden, sei eine Steigerung des jährlichen Schadens bis auf etwa 250 MillionenDollars, d. i. ungefähr die Hälfte des Wertes der gegegenwärtigen Baumwollernte,zu erwarten.

Arbeitermangel, Bodenerschöpfung, Verschlechterung des Saatguts, verheerendeSchädlinge das alles sind keineswegs vorübergehende Ursachen, sondern Momente,die eine längere Zeit andauernde Hemmung der Produktion von amerikanischer Baum-wolle befürchten lassen.

Nicht wesentlich günstiger stehen die Produktionsverhältnisse in den beidenLändern, die nach den Vereinigten Staaten allerdings in großem Abstand undunter mancherlei Beschränkungen für die Versorgung unserer Baumwollindustrie inBetracht kommen.

In Indien ist, wie bereits hervorgehoben wurde, die Baumwollerzeugung schonseit dem Jahre 1890 ins Stocken gekommen. Es besteht eine allgemeine Überein-stimmung nicht nur darüber, daß die indische Baumwolle im Laufe der letzten 10 bis15 Jahre eine entschiedene Verschlechterung erfahren hat, sondern auch darüber, daßdem indischen Ryot nur sehr schwer und sehr langsam eine bessere Auswahl des Saat-guts und eine rationellere Kulturmethode beizubringen sein wird. Die Versuche, diein Indien mit amerikanischer und anderer fremder Saat gemacht worden sind, habensämtlich einen Fehlschlag ergeben, so daß man heute von Experimenten nach dieserRichtung hin nichts mehr erwartet. Ein baldiger neuer Aufschwung der indischenBaumwollproduktion, durch welchen die Knappheit an amerikanischer Baumwolle auchnur annährend ausgeglichen werden könnte, steht deshalb nicht in Aussicht.

*) Siehe den Artikel von Howard im Februarheft 1304 der.i.raerieari Hlontlil^ Illn-strstecl Revier ok Revisws".