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Deutschlands Not : Reichstagsrede, gehalten am 23. Juni 1922 / von Statsminister Dr. Helfferich
Entstehung
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Saarland hinaus das Gefühl haben, hier steht eine Regiern»«,,der der Völkerbundsrat alles und jedes bieten kann; die Hoffnung«mf eine bessere Einsicht des Völkerbundrates wird diese Regierungdeshalb doch nicht verlieren! (Lebhafte Zustimmung rechts.)

Nehmen Sie zu dem Jammer des Saargebiets und desRheinlandes nun noch Oberschlesien hinzu, von dem ich ebensprach, wo jetzt der polnische Adler über Gebiete und Städte hoch-geht, die seit mehr als acht Jahrhunderten zu Deutschland ge-hören (Abg. Wels: Alles Ihre Erfolge!), dann haben Sie, ichwill nicht sagen, das Ergebnis, aber die einzigen bisher greif-bareri Resultate der Politik, die uns immer und immer wiederals die einzig mögliche Politik gepriesen wird (sehr richtig! rechts),als die Politik, die uns nach den Verheißungen des Herrn Reichs-kanzlers denWeg ins Freie" öffnen sollte. (Lachen rechts.)

Aber, meine Damen und Herren, das Bild, das ich eben an-gedeutet habe, bedarf der Ergänzung durch die Vorgänge, dienicht nur die uns entrissenen oder in ihrem deutschen Beständebedrohten und von fremder Soldateska besetzten Gebiete berühren,sonder« die das deutsche Volk in seiner Gesamtheit ganz unmittel-bar angehen. Damit komme ich zu den

Abkommen von Wiesbaden, Paris und Berlin .

Ich will diesen Punkt kurz behandeln. Mein FraktionskollegeReichert hat ja die Dinge ausführlich besprochen. Ich kann nichtanerkennen, das; die Eegengründe, die schon im AuswärtigenAusschuß und auch hier von der Regierung geltend gemacht wor-den sind, für uns eine durchschlagende Bedeutung haben können.Es ist ^- das mag mir auch Herr Staatssekretär Müller nicht ver-übeln auch in seiner letzten Ausführung, der ich vorhin zu-hörte, doch sehr stark gegen Windmühlen gefochten worden. KeinMensch von «ns darüber besteht volle Klarheit , kein Menschbehauptet, daß jetzt während des Jahres 1922, solange das vor-läufige Teilmoratorium gilt, das aber auf dieses Jahr beschränktist, daß in diesem Zeitraum sich die nachteiligen Folgen, vondenen hier die Rede ist, in vollem Umfang geltend machen werden.Das gilt namentlich für die Kredite, die wir alsBankierFrankreichs" in Sachleistungen geben sollen. Für dieses Jahrist das allerdings ausgeschlossen. Wer wir denken eben weiter alsbis zum 31. Dezember 1922: das darf man uns nicht verübeln.(Zuruf links: Hätten Sie doch früher daran gedacht!) Ja, dahätten andere Leute nur auf das hören sollen, was ich sagte!(Erneute Zurufe links^) Was ich sage, scheint Ihnen sehr unan-genehm zu sein, daß Sie fortwährend abzulenken suchen.

Ztt der Frage der drei Abkommen möchte ich ganz kurz unsernStandpunkt folgendermaßen präzisteren: Gegen das Wies-badener Abkommen haben wir, so wie es jetzt modifiziertist, vor allen Dingen die Ausstellung, daß wir in der Tat für dieZeit beginnend vom 1. Januar nächsten Jahres derBankierFrankreichs" bleiben. Dazu sind wir nicht in der Lage. Das wirdvielleicht wieder durch andere Konzessionen, aber jedenfalls nicht