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Ich muß aber aus den Vorgängen der letzten Zeit die ernst-liche Befürchtung herleiten, daß Sie auch durch die bisherigenFolgen Ihrer Politik noch nicht über den Weg klar geworden sind,den Sie gehen, oder daß Ihnen der Wille oder die Kraft fehlt,die Umkehr zu gewinnen. Ich kann mich mit meinen Freundender Befürchtung nicht verschliefen, daß Sie uns mit der Politik,wie sie aus den vorgelegten Weißbüchern hervorgeht, nurnoch weiter in das Verhängnis hineinführen. sAbg. Hoch: Nurdie Folge Ihrer Politik!)
Es schien ja einmal oder zweimal, als wenn Sie einen Ab-lauf nehmen wollten, sich aus der furchtbaren Verstrickung Ihrereigenen Politik zu befreien. Es schien namentlich so, als dieNote der Reparationskommission vom 21. März diesesJahres hier einging, als diese Note Sie aus allen Himmelnder Hoffnungen stürzte. Sie glauben, in London, in Paris und inCannes soviel „Atmosphäre" geschaffen zu haben, daß jetzt dieWendung zum Besseren kommen müsse. Sie sahen es als einengroßen Erfolg an, daß Ihnen die Londoner City und dieBank von England im Dezember v. I.. statt Ihnen dengewünschten Erfüllungskredit zu geben, bestätigt haben, was wirIhnen von vornherein bei der Annahme des Londoner Ulti-matums voraussagten, daß unter diesen Bedingungen, unter denendas deutsche Volk nicht leben kann, es auch keinen Kredit findet.
Sie sahen es als einen großen Erfolg an. daß die Staats-männer der Entente in Cannes sich schließlich bereit zeigten, unsfür ein Jahr — für ein einziges Jahr, m. D. u. H.! — eine teil-weise Stundung der Londoner Verpflichtungen zu gewähren, eineStundung, auf die ich das Wort des Herrn StaatssekretärsMüller von vorhin anwenden möchte: EsisteinSchri t t v o MUnmöglichen zum weniger Unmöglichen. (Zuruf/von den U. S.: Na also!) — Ja, wenn Sie mit dem weniger Un-möglichen, aber immer noch Unmöglichen zufrieden sind, könnestSie ja zugrunde gehen. fErneute Zurufe von U. S. )
Der Herr Reichsminister des Auswärtigen hat uns im Aus-wärtigen Ausschuß bei der Erörterung anderer Fragen gesagt,es mache nichts rms, ob dies oder jenes noch zuunseren Verpflichtungen hinzukomme, denn unmöglich seies doch, und wenn ich zum Unendlichen noch Hundert hinzufüge,bleibe die Endsumme doch unendlich. Ich möchte denSatz umkehren und sagen: wenn man wirklich vom UnendlichenHundert hinwegnimmt, dann bleibt es unendlich, und wenn manvom Unmöglichen das binwegnimmt, was jetzt binweggenomme»ist. dann bleibt das Unmögliche unmöglich. Es gibt relativeMöglichkeiten, aber es gibt keine relative Unmöglichkeiten. EineUnmöglichkeit ist immer absolut, auch nach Professor Einstein!(Große Heiterkeit und Zustimmung rechts. — Zuruf links: Nunhat Einstein auch was weg!)
Ich habe den Eindruck, meine Damen und Herren, daß dieHerren von der Regierung, geblendet durch die Schein-erfolge, di« sie sich zuschreiben, zu wenig auf die Bedingungen