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Deutschlands Not : Reichstagsrede, gehalten am 23. Juni 1922 / von Statsminister Dr. Helfferich
Entstehung
Seite
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Werlis) aufgefordert, hierher zu lommev. (Erneute Zwischenruf,sovil «chts und ltnrs.) Meine Herren, ich bitte, die Plätze ein-zunehmen. (Abg. Hoffmann: Das ist der erste Flegel nicht, de,etwas versprochen und nicht gehalten hat!) Herr Abg. Hoffmann,gehen Sie auf Ihren Platz! (Erneute Zurufe rechts und links.)Meine Herren! Es sind eine ganze Menge unparlamentarische.Rufe gefallen. Aber nachdem der Herr Abg. Helfferich selber demeinenSchamlosigkeit", einem anderendumme Frage", einemDrittenSchämen Sie sich!" zugerufen hat, war ich nicht in derLage, die Zwischenrufe zu rügen. (Lebhafte Zustimmung links. -Zurufe rechts.) Meine Herren, ich bitte, die Plätze einzunehmen,(Lebhafte Zurufe links.) Ich bitte um Ruhe, Herr Abg. Stampfer!

Dr. Helfferich: Ich will keine Kritik an der Geschäftsfüh-rung des Herrn Präsidenten üben. Aber ich glaube, mich gegenden Vorwurf, daß ich unparlamentarisch gehandelt habe, ver--teidlgen zu dürfen. Herr Präsident! Wenn ,ch starke Ausdrück«gebraucht habe, so lag das daran, daß ein Mitglied meiner Partei,dessen Name« hier genannt worden ist, ohne daß mir ein Ord-nungsruf zur Kenntnis kam, als Schur?« und Landesver-räter bezeichnet wurde. (Abg. Höllein: Feiger Bursche?Mocke des Präsidenten^ '

Präsident: Herr Abg. Höllein, ick rufe Sie für diesenletzten Zwischenruf zur Ordnungl Zch bitte jetzt um Ruhe undden Redner fortfahren zu lassen.

Dr. Helfferich: Diesen Teil meiner Ausführungen überdie von der Regierung der Reparationskommission gemachten Zu-jage« Möchte ich mit dem Satz schließen:

Ein« deutsch « Regierung, die ohne Ermächtigung des Reichs-tages wesentliche Bestandteile der deutschen Souveränität ver-Kuvert, gehört vor den Staatsgerichtshof!

> (Sehr wahr! bei den Deutschnationalen.)

Ich komme nun zu der Frage der sachlichen Berechti-gung der von der Entente aufgestellten Kon-trollforderungen.

Unsere Steue.rn, die die Entente kontrollieren und immerhöher schrauben will, sind höher als die Steuern in irgendeinemder Länder, die das Versailler Diktat beschlossen haben. (Sehrwahr! rechts und b. d. D. D. Zuruf links: Es ist nicht wahr!) Sie können schreien, soviel Sie wollen, den Tatbestand schaffenSie nicht aus der Welt! (Wiederholte Zurufe rechts und links.Glocke des Präsidenten.)

Präsident: Herr Abg. HLllein, ich bitte, unterlassen Siedoch die Zwischenrufe! Ein Redner von Ihnen kommt nachherzum Wort und kann das widerlegen.

Dr. Helfferich: Sogar von der englischen Presse wirdneuerdings anerkannt, dast die Steuern bei uns wesenilich höhersind als die Steuern in England und Frankreich . (Hört! hört!zeckts.)