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Deutschlands Not : Reichstagsrede, gehalten am 23. Juni 1922 / von Statsminister Dr. Helfferich
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Ich habe dies« Forderuna schon vor einiger Zeit, gleich nachdem negativen Ergebnis der Anleiheverhandlungen, in der Presseaufgestellt, und es scheint nach gewissen Verlautbarungen, als obauch die Reichsregierung die grundsätzliche Berechtigungdieser Forderung anerkenne. Denn in der Erklärung, die derReichskanzler am 13. Juni durch Wolff ausgegeben hat. heiszt es,die Reichsregierung werde, falls es die Entwick-lung der Dinge etwa erforderlich machen sollte,mit der Revarationskommission ins Benehmen treten, um durcheine vorläufige Verständigung über die weiterenZahlungendieungünstigeEntwicklungdesMark-kurses zu verhüten. Es heißt in dieser Verlautbarung:wenn es erforderlich werden sollte. Ich möchte an den HerrnReichskanzler und den Reichsfinanzminister die Frage richten,ob nicht heute schon die Entwicklung des Dollarkurses,wie wir sie seit der Zeit der Anleiheverhandlungen erlebt haben»die Aufwärtsbewegung von etwa 270 auf 330 und zeitweise dar-über hinaus, solche Verhandlungen mit dem Earantiekomitee er-forderlich macht. Nach unserer Ansicht ist das Erfor-dernis jetzt schon gegeben. Nach unser« Anficht istnicht nur das Erfordernis gegeben, sondern mehr als das. «»ist das Erfordernis gegeben, daß in diesen Verhandlungen dieRegierung einen Entschluß kundgibt und festhältichwiederhole nochmals: wie in bezug auf die Kontrolle ausjede Konsequenz hin! (Sehr wahr! bei den Dnatl.)

An der Stabilisierung der Valuta ist nicht nur Deutschland interessiert. Wir sind es in erster Linie, aber die anderen findes ebenso. Alle an: Welthandel beteiligten Volker find an derStabilisierung unsrer Valuta interessiert, und wenn Sie den Berichtdes Anleihekomitees lesen, dann sehen Sie, wie dieses Interessean der Stabilisierung der Wechselkurse geradezu der Brenn-punkt des ganzen Berichts des Anleihekomiteesist. Hier hat die Regierung Gelegenheit, an ein groszes soli-darisches Interesse der Ententemächte, vor allem Eng-lands und Amerikas , zu appellieren. Dieser Appell musz erfolgen!Aber selbst wenn dieser Appell auf taube Ohren stoszen sollte,die Regierung kann nicht von der Richtlinie herunter, das; beidieser Entwicklung der Devisenkurse keine Käufe möglich sind. Dennwas soll eintreten, wenn die Regierung fortfährt, Devisen zukaufen? Eine weitere Verschlechterung unsererValuta, eine weitere Ruinierung unseres Bud-gets, eine weitere Unmöglichkeit, auch nur zumTeil die Sachleistungen zu erfüllen, die unsauferlegt sind, eine weitere Zermalmung desMittelstandes, ein weiteres Hochschrauben derPreise, neue soziale Kämpfe, schließlich dasabsolute Endel

Gewiß kann man immer wieder fragen:Und wenn Sie dastun, was kommt dann?" Die Schicksalsfrage, wenn Sie wollen.(Zuruf von den Soz>: Geben Sie mal darauf eine Antwort!)