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Deutschlands Not : Reichstagsrede, gehalten am 23. Juni 1922 / von Statsminister Dr. Helfferich
Entstehung
Seite
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Vorwurf gemacht, indem er fragte, was ich für ein Interessedaran hätte festzustellen, daß der französische Text gelte. Ich habediesen Vorwurf aus seinen Worten herausgehört. Im Gegenteil,ich habe ein Interesse daran festzustellen, das;der französische Text nicht gilt. Ich bedauere, daßdiese Feststellung nicht schon vorhin erfolgt ist. Ich kann abernicht umhin, aus meiner Erfahrung als Minister und auch imdiplomatischen Verkehr an die Art und Weise, wie der Schrift-wechsel mit der Reparationskommission geführt worden ist, sehrerhebliche Bedenken zu knüpfen. Es gibt für eine llebersetzungzwei Möglichkeiten, die eine Möglichkeit, das; die französische llebersetzung von französischer Seite angefertigt ist und uns nurnachrichtlich mitgeteilt wurde; die andere Möglichkeit, das; sie vondeutscher Seite angefertigt wurde. Wir hören, sie sei von derdeutschen Kriegslastenkommission in Paris angefertigt undder Reparationskommission übergeben worden. Das ist ein außer-ordentlich bedenkliches Verfahren. Ich habe in meinem früherenBeruf einige Jahre in der Türkei zu tun gehabt. Die Türkei hat sich aus nationalen Gründen auf den Standpunkt gestellt,daß sie in ihrer Korrespondenz lediglich in türkischer Sprachekorrespondiert und das? es Sache des Empfängers sei, den türki-schen Text in seine Sprache zu übersetzen? aber nicht nur ausnationalen Gründen. Ich habe oft genug Gelegenheit gehabt,mich mit türkischen Staatsmännern darüber zu unterhalten, wasdas für eine Unbequemlichkeit im Geschäftsverkehr darstelle. Dertürkische Eroßoesir hat mir geantwortet:Sie können uns nichtnur aus Prestigegründen nichts anderes zumuten; bei Ueber-setzungen gibt es immer Nuancen. Und da muh Wert darauf ge-legt werden, dasz das gilt, was in unserer Sprache gemeint ist.Für jede Uebersetzung, "die wir übergeben, übernehmen wir eineVerantwortung, und das wollen wir nicht."

Hier, in unserem Falle, licat eine Gefahr darin, daß dieKriegslastenkommissicn die französische und englische Uebersetzunganfertigt und sie überreicht. Das Schlimmste aber ist, daß in denuns vorgelegten französischen und englischen Uebersetzuncien derName des Unterzeichners beigefügt ist. Zn derNote vom 9. Mai heißt es im deutschen Text:gez. Bauer",im französischen Text:sixuS Bauer"; in der Note vom 28. Mai:..gez. Dr. Wirth", in^em französischen Text:5,'xnü Dr. Wirth".Es ist doppelt bedenklich, wenn unter der Übersetzung in dieserWeise auch noch der Name steht. Im übrigen möchte ichdringend bitten, daß auch der Reparationskom-mission gegenüber gar kein Zweifel darüberge-lassen wird, daß nurder deutsche Text gilt. ?ennich halte es sür durchaus möglich, daß bei dem Mangel an Sprach-kenntnissen gerade gegenüber unserer Muttersprache, gegenüberder deutschen Sprache, der im Ausland vielfach besteht ich habein meinen Erfahrungen mit vielen hervorragenden Franzosen undBelgiern zu tun gehabt und war immer erstaunt, daß ihnen diedeutsche Sprache gänzlich fremd ist. der Franzose bis zum heuti-gen Tag tatsächlich nur den franztsischen Text überhaupt kennt und