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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / von Karl Helfferich
Entstehung
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Russland einen Krieg mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn zuriskieren, zu schwer.

Die französischen Staatsmänner waren dementsprechend voneiner doppelten Furcht bewegt: einmal von der Furcht, bei derrussischen Regierung Misstrauen zu erregen und Frankreich durcheine Lockerung der französisch-russischen Beziehungen zu isolieren;zweitens durch die Furcht, in einem Krieg gegen Deutschland undOesterreich-Ungarn mit Russland allein zu stehen.

Die Wirkung der erstgenannten Befürchtung war, dass diefranzösische Regierung sich weigerte, in Petersburg irgend eineEinwirkung im friedlichen Sinne zu versuchen, die dort als ein Ab-rücken Frankreichs von Russland hätte aufgefasst werden können.Die verschiedenen dringenden Schritte, die der deutsche Botschafternach der Ueberreichung der österreichisch-ungarischen Note anSerbien in Paris unternahm, um dem französischen Kabinett denErnst der Situation vor Augen zu führen und darauf hinzuweisen,wie notwendig ein mässigender Einfluss Frankreichs in Petersburg sei, wurden stets mit dem grössten Misstrauen aufgenommen undals Versuche, einen Keil zwischen Frankreich und Russland zutreiben, beargwöhnt.

Als nach Ueberreichung der österreichisch-ungarischen Noteder deutsche Botschafter in Paris der französischen Regierung diekorrekte und loyale Erklärung abgab, dass die deutsche Regierungdie Angelegenheit als eine ausschliesslich zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien zu regelnde betrachte und die Lokalisierungdes Konflikts dringend wünsche, da jede Intervention einer anderenMacht durch das natürliche Spiel der bestehenden Allianzen un-berechenbare Konsequenzen herbeiführen könne, war der Wider-hall dieser Mitteilung ein Artikel in demEcho de Paris", dessenintime Beziehungen zum Quai d'Orsay bekannt sind. In diesemArtikel wurde der Schritt des deutschen Botschafters als einemenace allemande" gebrandmarkt (Oelbbuch No. 36).

Als zwei Tage später, am 26. Juli, der deutsche Botschafterder französischen Regierung anheimstellte, bei der russischen Regie-rung im Sinne des Friedens zu intervenieren, und hinzufügte, dassOesterreich-Ungarn nach den an Russland abgegebenen Erklärungenweder eine territoriale Vergrösserung noch eine Beeinträchtigungder Integrität Serbiens , sondern nur seine eigene Sicherheit erstrebe,war die Antwort, Russland habe nichts getan, was Anlass zum Zwei-fel an seiner Mässigung gebe; aber Deutschland möge in Wien intervenieren, um militärische Operationen gegen Serbien zu ver-hindern (Gelbbuch No. 56). Und als der deutsche Botschafter,gewarnt durch das Verhalten desEcho de Paris", den Vorschlagmachte, über die Besprechung eine Notiz an die Presse zu geben,