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in der gesagt wurde, dass er in einer neuen Unterhaltung mit demMinister des Aeussern die Mittel zur Erhaltung des Friedens imfreundschaftlichsten Geist und im Gefühl der friedlichen Soli-darität geprüft habe, da erregte der Gedanke an die öffentlicheBekundung einer „solidarité pacifique" mit Deutschland einen wah-ren Schrecken (Gelbbuch No. 57), und die vom deutschen Bot-schafter vorgeschlagene Notiz wurde schliesslich ohne den ver-dächtigen Ausdruck der Solidarität und des freundschaftlichenGeistes der Presse mitgeteilt. — „Cette rédaction, volontairementterne, évitait une solidarité avec l'Allemagne qui pourrait être malinterprétée" (diese absichtlich farblose Redaktion vermied eineSolidarität mit Deutschland , die falsch ausgelegt werden könnte).So zu lesen in einer Zirkularnote, die das französische Ministeriumdes Auswärtigen über diesen wichtigen Fall an ihre ausländischenMissionen richtete (Gelbbuch No. 62). Dieselbe Zirkularnote fügthinzu, die wahrscheinlichste Auslegung des Schrittes des Herrn vonSchoen sei, dass er versuche, Frankreich in den Augen Russlands zukompromittieren (à compromettre la France au regard de la Russie).Der französische Minister des Auswärtigen p. i. verkündete ineiner weiteren Zirkularnote vom 29. Juli seinen Stolz, dass derdeutsche Botschafter vergeblich versucht habe, Frankreich in einesolidarische deutsch-französische Aktion in Petersburg hineinzu-ziehen (a vainement tenté de nous entraîner dans une action solidairefranco-allemande à Petersbourg ). Er wiederholt die Behauptung,dass die russische Regierung die grössten Beweise ihrer Mässigunggegeben habe und dass Russland in keiner Weise den Frieden be-drohe, dass dagegen in Wien gehandelt werden müsse und alleGefahr aus Wien komme (Gelbbuch No. 85).
Aus keinem Dokument des französischen Gelbbuchs und eben-so wenig aus dem russischen Orangebuch und dem englischenBlaubuch ergibt sich, dass Frankreich in irgendeinem Stadium ge-wagt hätte, der russischen Regierung einen ernstlichen Rat imSinne des Friedens zu erteilen ; es sei denn, dass man den Ausdruckdes Wunsches, Russland möchte Massnahmen vermeiden, dieDeutschland einen Vorwand zur Mobilmachung geben könnten(Gelbbuch No. 102), als eine aufrichtige Vermittlungstätigkeit imSinne des Friedens ansehen will, während solche Wünsche inWirklichkeit wohl richtiger als taktische Fingerzeige aufgefasstwerden, um Deutschland solange hinzuhalten, bis die von Frank-reich in jener Zeit mit allen Mitteln angestrebte Sicherung derWaffenhilfe Englands ereicht war.
Der unbedingten Sicherung der englischen Bundesgenossen-schaft, nicht irgendwelcher Vermittlungstätigkeit, galten in jenenkritischen Tagen die Bemühungen der französischen Diplomatie,