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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / von Karl Helfferich
Entstehung
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Der Grund ist offensichtlich, dass die russische Regierung,damals der englischen und sogar der französischen Mit-wirkung noch nicht sicher war. Bei der Unterhaltung, dieSasonoff auf seinen Wunsch am 24. Juli im Hause des französischen Botschafters mit diesem und Sir G. Buchanan hatte (BlaubuchNo. 6), verlangte Sasonoff, England solle sich mit Russland undFrankreich solidarisch erklären, worauf Buchanan sehr klug ant-wortete :

"I could not, of course, speak in the name of His Majesty'sGovernment, but personally I saw no reason to expect any declara-tion of solidarity from His Majesty's Government that wouldentail an unconditional engagement on their part to support Russiaand France by arms. Direct British interest in Servia were nil,and a war on behalf of that country would never be sanc-tioned by British public opinion." (Ich könne natürlich nichtim Namen meiner Regierung sprechen; aber persönlich sehe ichkeinen Grund, von meiner Regierung irgendeine Solidaritätser-klärung zu erwarten, die eine unbedingte Verpflichtung zur Waffen-hilfe für Russland und Frankreich enthalte. Die direkten bri-tischen Interessen in Serbien seien gleich Null und einKrieg wegen dieses Landes werde niemals durch die eng-lische öffentliche Meinung sanktioniert werden.)

Wie der französische Botschafter sich gegenüber Herrn Saso-noff verhielt, ist nicht einwandfrei festzustellen, denn das franzö-sische Gelbbuch enthält bezeichnender Weise über diese wichtigeUnterhaltung keinen Bericht, und Sir G. Buchanan beschränkt sich in seinem Bericht zu sagen, sein französischer Kollege habeihmzu verstehen gegeben" (gave me to understand), Frankreich werde alle Verpflichtungen erfüllen, die in seiner Allianz mitRussland gegeben seien. Eine solche Haltung Hess die NeutralitätFrankreichs in einem russischen Angriffskrieg offen. In der Tathat Frankreich , wie wir sehen werden, erst in einem späterenStadium der russischen Regierung die Zusage der unbedingtenWaffenhilfe gegeben.

Wir wollen nun betrachten, wie die Haltung Frankreichs undEnglands sich entwickelt hat.

Frankreich .

Die französische Regierung befand sich offenbar in einemschweren Dilemma. Einerseits war ihre ganze Politik seit Jahr-zehnten auf den engsten Anschluss an Russland abgestellt; anderer-seits wog die Verantwortung, in der schlechten serbischen Sachesich unbedingt auf die Seite Russlands zu stellen und allein mit