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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
87
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WIRKUNG DES WERKES: DE RE UXORIA

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über die Ehe geschrieben hat und etwas so gut kennen soll, was er (ausErfahrung) nicht kennt. Er bringt eine Fülle bester Lehren und sehrgehaltvoller Beispiele, die er aus der ganzen griechischen und lateinischenGeschichte gesammelt hat. Ich habe an diesem Werke das Genie be-wundert, mehr noch seine Gründlichkeit 27 .» Auch war damals Poggio inKonstanz und schrieb lächelnd an Francescos Lehrer Guarino: «Meinenbesten Dank für das Büchlein, das du mir geschickt hast. Einen ganzunermeßlichen Dank würde ich dir aber schulden, wenn ich die Absichthätte, ein Weib heimzuführen, doch gering war vorher der Wille zumHeiraten, jetzt ist er gar nicht mehr vorhanden, nachdem ich sehe, einewie hohe Pflichterfüllung nach dem Urteil der Weisen der Ehestanderfordert, dem gerecht zu werden man kaum wünschen, geschweigedenn hoffen darf. Aber Scherz beiseite! Als mir zuerst das Buch ge-bracht wurde, las ich es so eifrig und ließ mich bald von der Neuheitdes Gegenstandes, bald von der Ordnung und dem anziehenden Stileleiten, daß ich das Ganze an einem Tag durchflog, nachher aber reif-licher wiederlas. Die Sache ist sehr erfreuend und angenehm und mit denschönsten Beispielen geschmückt. Sie ist so in Ordnung aufgebaut,daß man nichts Ordentlicheres finden kann. Was mich aber am meistenberückt, ist die Würde des Ausdrucks, die er ständig wahrt. Damit scheintmir Franciscus Barbarus ein zweites Werk <über die Pflichten > geschriebenzu haben, freilich über die Gattenpflichten; so bis zum letzten Schliffspricht er ciceronisch. Ich bin kein Schmeichler, wie du weißt: der Satz,den ich ausspreche, kommt von Herzen. Der höchsten Beredsamkeit ver-bindet sich eine Würde des Sprechens, die den erhabensten Menschenwohl anstünde. Halte unsern Franciscus, ich bitte dich, zum Schreibenan, denn er bringt wunderbare Erstlinge hervor... Ich werde ihn ver-breiten, wo ich sehe, daß es für seinen Ruhm fruchtbar werden könnte 28 .»Wie sollte man treffender den Eindruck schildern, den Francesco Barbaro auf die besten seiner Zeitgenossen machte: erst das Scherzen über denklugen Verfasser, und mitten im leicht ironischen Ton wird Poggioplötzüch ernst, weil er spürt, daß in diesem Jüngling ein menschlichesGewicht und Würdegefühl steckt, so daß er sie alle trotz seiner Jahreweit überragt. Einstweilen verschwört es Poggio, zu heiraten, aber alser in ein höheres Alter eintritt, entschließt er sich doch noch dazu und

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