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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
88
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IV DE RE UXORIA

rechtfertigt sich vor seinen Freunden mit einem leicht hingeworfenenTraktat: Ob ein alter Mann heiraten soll (AN SENI SIT UXOR DUCEN-DA) 29 . Diese Schrift ist 20 Jahre später^als die Barbaros verfaßt und be-wegt sich in den von diesem vorgezeichneten Bahnen. Niccolö Niccoliund Carlo Aretino unterhalten sich in ihr über das Thema, Niccoli istnach theophrastischer Weise gegen eine Heirat des Greises, da bei einersolchen die für einen Jüngling maßgebenden Gründe fortfallen; Mar-suppini veitritt aber die Ansicht, die wir schon bei Barbaro finden, daßim Mittelpunkt der Ehe nicht das Wort sexus, sondern die societasutriusque sexus ständen. «Nimm hinzu, daß es eine große Bereicherungunseres Lebens ist, jemand zu haben, dem du dein Leben anvertrauenund mit dem du deine Gedanken austauschen kannst usw.», sowohl einGreis wie ein Jüngling finde dies in der Ehe.

Der einzige erhaltene Würdigungsbrief, der unmittelbar an Barbaro ge-schrieben ist, stammt von dem Kamaldulenser Ambrogio Traversari . Erhatte es sieb nicht nehmen lassen, das Buch demLorenzo de'Medici selbervorzulesen und schreibt darauf an Barbaro : «Deine an den bestenund dir sehr gewogenen Jüngling gerichtete Abhandlung über den Ehe-stand habe ich gelesen und beglückwünsche ich dich, weil du meinerAnsicht nach wirklich der einzige in unserm Zeitalter bist, der nebendas höchste Ingenium der Alten ebenso wie der Zeitgenossen tretendarf, ja sie übertrifft. Heil deiner Kraft, die solche Früchte trägt, welchesLicht des Genies wird von dir ausgehen, wenn du ein erprobterOrator sein wirst 30 !» Diese Stelle ist im Geist Quintilians gesprochen,der mit aller römischen Würde und ernster Bemühung den wahrhaften«Orator » herangebildet hat, und dessen Charakterzeichnung, wie wirsahen, ganz auf Francesco zutrifft. Das Werk Barbaros war für Italien der Auftakt zu einer unabsehbaren Menge von humanistischen Hoch-zeitsschriften 31 , die alle auf ihm fußen. Wie man an ihn anknüpft, lehrteine Münchner Handschrift 32 , in der neben anderm das Lob der Ehe zulesen ist: «Fürwahr, das Höchste ist die Ehe, und was für eine Sacheist siel wie der berühmte Francesco Barbaro , der vielleicht der ersteunter den Oratoren unserer Zeit ist, in den Büchern über den Ehestandernst und geschmackvoll geschrieben hat, so daß er ihn nicht genugloben und bewundern kann, und das nicht ohne Grund.» Der Verfasser