LEON BATTISTA ALBERTI : DELLA FAMIGLIA 91
jener Hochzeitsschrift bringt dann den alten Cato als Zeugen, der gesagthat, es scheine ihm sehr viel schwerer, ein guter Ehegatte als ein guterSenator zu sein.
Aus diesem so vielfach beackerten Boden wuchs später als Haupdeistungder pädagogischen Eheschriften die italienisch verfaßte Abhandlung desLeon Battista Alberti DF.LLA FAMIGLIA 33 hervor, die umfangreicherund umfassender als die bisher genannten Werke der gleichen Gattungist. Alberti, ein jüngerer Zeitgenosse Barbaros, gehört schon ganz dernächsten Schicht der Renaissance an; er ist derjenige, der ihr Wunschbilddes uomo universale am schönsten in sich verkörpert hat.
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In unserm Zusammenhange genügt ein kurzer Hinweis auf sein Buch über dieFamilie. Wenn wir seinen Grundsatz lesen: «Per gentiluomo che sia di sangue senzalettere non sarä mai se non rustico reputato» (Ein Edelmann von Geblüt ohne Bil-dung wird nie etwas anderes sein als ein angesehener Bauer), hören wir daraus diehumanistische Gesinnung, die wir auch im Kreise um Cosimo de'Medici antreffen.Alberti hielt sich jedoch abseits und trat diesem Kreise, in dem Niccoli den Tonangab, nicht näher. Der Anlaß des in Gesprächsform gefaßten Buches ist ein ande-rer, als wir ihn bei Vergerio und Barbaro sahen. Hier ist es die Sorge um die Fort-pflanzung und Aufrechterhaltung des großen florentinischen Familienclans, der gensAlberti. Ein verheiratetes Mitglied dieser Familie — alle Unterredner sind Familien-mitglieder — stellt fest, daß es in ihr 22 unverheiratete Jünglinge zwischen 16 und36 Jahren gebe, die die Familie nicht vermehrten. Der ältere verheiratete Adovardoreiht an diese Tatsache für den jungen Leonardo Alberti eine Auseinandersetzungüber das Wesen der Erziehung. «Die Sorge für das Neugeborene bleibt ganz denFrauen, denn die harten Arme des Vaters könnten vielleicht das Kind nicht sanftgenug anfassen, so daß seine zarten Knochen Schaden nehmen könnten.» Ähnlichwie bei Barbaro beginnt die Erziehung mit der Auswahl einer geeigneten Amme:sie muß gesund und sittenrein sein. Mit der Suche nach ihr kann der Hausvaterreichlich Verdruß haben; dann bringen die Kinderkrankheiten viel Sorgen. Über-haupt neigt Adovardo dazu, alles von der grämlichen Seite zu nehmen: ... sie wissennur von Kindersorgen, perö ogni minima dogliuzza de'figliuoli ha nell'animo de'padrigrandissimo tormento (denn jedes geringste Leidwesen der Söhnchen bereitet demVaterherzen größte Qual). Solche etwas weichherzigen Töne besorgter Eltern hörtenwir bei dem herberen Francesco Barbaro nicht, und auch dem jungen LeonardoAlberti des Dialogs ist das zuviel, und er antwortet, daß er von allen Seiten zumHeiraten gedrängt werde, daß man ihm aber die Wahl seiner Frau schon selber über-lassen müsse. Was die Frage der Amme anbetrifft, so ist er wie Barbaro der Ansicht,daß die Mutter der Kinder dieses Amt am besten ausfüllt. Das Beispiel aus dem Alter-tum (der Philosoph Favorinus bei Gellius) ist das gleiche wie bei Barbaro. Die weiter
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